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Markt & Trends Tellerrand

Digitale Währung Bitcoin: Erfolgsmodell oder Spekulationsobjekt mittels Blockchain-Technologie?

Nachdem wir in den ersten beiden Teilen der Blockchain-Reihe vor allem auf die theoretische Funktionsweise und auf die Einsatzmöglichkeiten in der Logistik eingegangen sind, soll nun ein bereits praktisch umgesetztes Anwendungsgebiet für die Blockchain gezeigt werden. Der Bitcoin als Vorreiter von sogenannten Kryptowährungen ist mittlerweile auf dem Vormarsch. Ein zentrales Anliegen ist dabei, zunächst grundlegende Mechaniken dieser Währung zu verstehen und so für die Risiken, aber natürlich auch für das enorme Potential zu sensibilisieren. 

Seit seiner Einführung im Jahr 2009 ist der Bitcoin-Kurs – unter starken Schwankungen – massiv angestiegen. Seit Dezember letzten Jahres zeigt sich jedoch eine Trendwende – der Bitcoin erlebt einen regelrechten Kursabsturz. Der Preis für einen Bitcoin fiel von der ehemaligen Rekordmarke von 16.500 Euro auf knapp 5.000 Euro. Ist der Bitcoin also doch nur ein Spekulationsobjekt? Was steckt hinter dieser Währung, die jeder kennt, deren Funktionsweise aber kaum jemand versteht? Und was hat das überhaupt mit der Blockchain-Technologie zu tun?

 

 

Bitcoin einfach erklärt

Bitcoin ist eine digitale, sogenannte Kryptowährung. Das heißt, es gibt keine physischen Scheine oder Münzen. Zahlungsvorgänge werden, wie auch beim Online-Banking, über das Internet abgewickelt. Allerdings existiert bei der Zahlung mit Bitcoin keine Zwischeninstanz, wie etwa eine Bank. Die Transaktion, bzw. die Übertragung des Geldwertes, findet stattdessen direkt zwischen den zwei Nutzern mittels einer Peer-to-Peer-Verbindung – sprich Rechner-zu-Rechner-Verbindung – statt.

 

 

Rolle der Blockchain

Beim Thema Sicherheit kommt nun die Blockchain ins Spiel. Bei der Entstehung einer Blockchain werden Transaktionen öffentlich mit einer Prüfsumme versehen und in einer Art Journal zu einem Block zusammengefasst. Dieses Journal wird auf vielen verschiedenen Computern (sog. Nodes) gesichert. Dadurch, dass die Daten redundant vorliegen, entsteht zusätzliche Sicherheit vor z.B. Stromausfällen und damit einhergehenden Datenverlusten. Zu diesen bestehenden Blöcken können anschließend einzelne neue Blöcke hinzugefügt werden. Somit sind die Daten stets mehrfach gesichert und dezentral verteilt, was wiederum für Fälschungssicherheit sorgt. Wenn Sie noch ausführlichere Informationen zum Thema Blockchain erfahren möchten und wie die Technik dahinter funktioniert, dann lesen Sie auch unseren ersten Teil der Blockchain-Blogreihe.

 

 

Proof-of-Work, Mining und Fork

Wichtig ist insbesondere, dass diese Blöcke auch auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden, wofür die Proof-of-Work-Methode verwendet wird. Diese Prüfmethode ist besonders sicher. Es werden den Nutzern bzw. deren Systemen komplexe Rechenaufgaben gestellt, welche nur durch häufiges Ausprobieren gelöst werden können. Im Umkehrschluss müsste ein Betrüger also Hardware mit enormer Rechenleistung einsetzen, was einen Betrugsversuch (zumindest mit der momentan verfügbaren Hardware) nicht rentabel macht. Jedoch könnte sich dies durch Quantenprozessoren, die sich momentan in der Entwicklung befinden, ändern und somit das Sicherheitskonzept der Blockchain mit ihrem enorm hohen Rechenaufwand auf den Kopf stellen.

 

Zur Erstellung neuer Blöcke und somit zur Lösung der im Proof-of-Work gestellten Aufgaben bzw. zur Synchronisation der Netzwerknutzer wird, wie bereits erläutert, enorme Rechenleistung benötigt. Diese Rechenleistung kann von jedem beliebigen Rechner bereitgestellt werden. Sie wird entsprechend durch die Zahlung von Bitcoins, die durch den Prüfprozess neu erstellt werden, entlohnt. Dieser Vorgang wird Mining genannt. Jedoch ist zu bedenken, dass die Schwierigkeit dieser Aufgaben mit wachsender Länge der Blockchain immer weiter ansteigt. Dadurch wird immer mehr Rechenleistung benötigt, um die gleiche Menge an Bitcoin zu erschaffen. Gleichzeitig ist die Menge der maximal im Umlauf befindlichen Bitcoin auf 21 Millionen festgelegt. Das liegt daran, dass sich alle 210.000 Blöcke die Anzahl der erzeugten Bitcoin halbiert. Aktuell passiert dies etwa alle 4 Jahre. Die festgelegte Menge an verfügbaren Bitcoin verspricht Wertstabilität. Im Gegensatz dazu stehen die Zentralbanken, die die eigene physische Währung theoretisch in unbegrenzter Menge drucken könnten. In Ländern mit starker Inflation verlagern deshalb viele Menschen ihr Vermögen in Kryptowährungen. Bitcoin ist dadurch in Venezuela zeitweise zur wichtigsten Parallelwährung aufgestiegen.

 

Eine Besonderheit stellen Softwareupdates der Bitcoin-Blockchain dar. Es entstehen sogenannte Forks, die in Soft Forks und Hard Forks unterschieden werden. Bei einem Fork wird eine Kryptowährung in zwei Teile gespalten. Ein Soft Fork ist abwärtskompatibel, das bedeutet, dass die unterschiedlichen Systeme und Knotenpunkte sowohl mit der alten als auch der neuen Software problemlos arbeiten können. Eine Umstellung auf die neu entstandenen Blöcke findet erst dann statt, wenn die Mehrheit der Nutzer auf die neue Software umgestiegen ist. Im Unterschied dazu ist ein Hard Fork nicht abwärtskompatibel, weshalb es eine klare Trennung zwischen alter und neuer Software geben muss. Da es hier aber keine Übergangslösung oder einen Kompromiss aufgrund der fehlenden Abwärtskompatibilität geben kann, entsteht eine neue Kryptowährung mit einer – zumindest ab dem Split – völlig unabhängigen Blockchain. Namhafte, aus Hard Forks entstandene, Währungen sind unter anderem Bitcoin Cash, Bitcoin Gold und Bitcoin Diamond.

 

 

Unzulänglichkeiten des Bitcoin

Gerade das Thema Forks ist, wenn man Bitcoin im unternehmerischen Umfeld verwenden möchte, nicht ganz unproblematisch. Bei Soft Forks kommt es dazu, dass nur der Zweig mit der längeren Kette bestehen bleibt, während der andere Zweig zusammen mit allen Blöcken verworfen wird. Angenommen ein Shop nimmt Zahlungen mit Bitcoin an und liefert pflichtgemäß die vereinbarte Ware. Nun wird der Zweig, in dem die Transaktionsdaten gespeichert sind, verworfen und aus dem kompletten System gelöscht. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber, dass der Empfänger von Bitcoin-Zahlungen diese erst sicher besitzt, wenn sie in einem Block gespeichert sind, der schon länger in der Blockchain existiert. Wird diese zusätzliche Sicherheit gewünscht, muss jedoch wieder längere Zeit gewartet werden. Nach wie vor steht diesem Umstand das Sprichwort „Zeit ist Geld“ im Business entgegen.

 

Ebenso darf der Stromverbrauch nicht unterschätzt werden, der jeden Tag für das Mining aufgewendet wird. Denn das Finden einer Lösung, die zur Erstellung eines neuen Knotens und so zur Gutschrift von (momentan) 12,5 Bitcoins benötigt wird, verschlingt enorme Rechenkapazitäten. Hierfür sind wiederum leistungsstarke Hardwarebauteile und dementsprechend ein großes Kühlsystem nötig. Der Haken an der Sache ist, dass der Schwierigkeitsgrad für die Aufgaben stetig ansteigt, da die Blockchain stündlich wächst. Somit wird immer mehr Rechenleistung, Hardwarekapazität und schlussendlich Strom benötigt, um die gleiche Menge an Bitcoin zu erzeugen. Ob und inwieweit es sinnvoll ist, auf diese Weise enorme Energiemengen zu verwenden, bleibt fraglich.

 

Ein weiteres Manko des Bitcoin ist sein höchst instabiler Kurs. Instabil muss natürlich nicht explizit für etwas Schlechtes stehen. Der enorme Wertgewinn des Bitcoins und die dadurch entstandenen Gewinne für die Anleger sind das beste Beispiel hierfür. Nichtsdestotrotz zeigt sich mit starken Kursverlusten in den letzten Monaten die Kehrseite der Medaille. Fakt ist, dass diese Unbeständigkeiten zur Gefahr für Anleger werden können, da die Währung weder staatlicher, noch der Bankenkontrolle unterliegt. Unterm Strich ist der Bitcoin, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, weniger eine Währung für langfristige Wertanlagen als vielmehr ein Spekulationsobjekt.

 

 

Geduld ist angesagt

Zugegeben, all diese Risiken, die der Bitcoin mit sich bringt, sehen erst einmal abschreckend und ernüchternd aus. Man darf bei alldem jedoch nicht vergessen, dass Bitcoin erst seit wenigen Jahren existiert. Kann man denn erwarten, dass diese im Grunde völlig neuartige Währung von Anfang an reibungslos funktioniert? In der Vergangenheit hatten verschiedenste Währungen immer wieder Probleme mit Inflation bzw. Deflation und einem damit einhergehenden Vertrauensverlust der Benutzer. Hat das den Dollar oder Euro etwa davon abgehalten, sich zu einer der wichtigsten und weit verbreitetsten Währungen zu entwickeln? Es ist noch zu früh, um von vornherein den Bitcoin und all sein Potential als nette Spielerei abzutun. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese virtuelle Währung die nächsten Jahre weiterentwickelt.

Marcel Gaspar

Im Rahmen meines dualen Studiums der Wirtschaftsinformatik beschäftige ich mich intensiv mit betriebswirtschaftlichen Themen, aber vor allem auch der praktischen bzw. angewandten Informatik. Gerade deshalb ist es wichtig, sich im Bereich der ständig voranschreitenden Digitalisierung, insbesondere am Anfang des Berufslebens, entsprechende Fachkenntnisse anzueignen. Über diese gesammelten Erfahrungen berichte ich in meinen Beiträgen.

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