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Personal

Mitarbeiterempfehlungen

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Die Netzwerke der eigenen Mitarbeiter zur Personalgewinnung nutzen: So einfach das Prinzip der Mitarbeiterempfehlungen klingt, so erfolgreich ist es auch. Allerdings müssen Unternehmen einige Grundregeln beachten, damit ihre Empfehlungsprogramme gut funktionieren.

Die Zahlen der aktuellen Studie des US-Anbieters Jobvite sind beeindruckend: Mitarbeiterempfehlungen haben die höchste Conversion Rate aller Recruiting-Kanäle. Nur sieben Prozent der Bewerber kommen über diesen Kanal zum Unternehmen, aber 40 Prozent der Einstellungen werden darüber generiert. Weitere Pluspunkte sind eine stärkere Job-Zufriedenheit der Mitarbeiter (die durch Freunde oder Bekannte empfohlen wurden) und ein längerer Verbleib im Unternehmen.

 

Diese Zahlen aus den USA werden von Studien aus Deutschland in ähnlicher Form bestätigt. Aus Sicht der Jobsuchenden gelten Empfehlungen durch Bekannte als besonders vielversprechender Weg zu einer neuen Stelle. Bei den Unternehmen stehen Mitarbeiterempfehlungen an fünfter Stelle der besonders häufig genutzten Recruiting-Wege. Blickt man auf die tatsächlich getätigten Neueinstellungen, dann liegen Mitarbeiterempfehlungen auf Rang drei, nach Internet-Stellenbörsen und der eigenen Unternehmenswebseite. Das hat die Studie "Recruiting Trends 2019" der Universität Bamberg im Auftrag von Monster Deutschland ergeben.

Die Vorteile von Empfehlungsprogrammen

Mitarbeiter, die von Freunden oder Bekannten empfohlen wurden, passen meist gut zum Unternehmen. Sie kennen die Unternehmenskultur aus Erzählungen und wurden vom Empfehlenden bereits vorselektiert. Dadurch können sie in den meisten Fällen schneller produktiv arbeiten. Sie werden schnell ins Team integriert, fühlen sich wohl und haben eine hohe Mitarbeiterbindung.

 

Dem Unternehmen entstehen in der Regel weniger Recruiting-Kosten als bei anderen Recruiting-Kanälen, auch wenn eine Prämie für den Empfehlenden gezahlt wird. Auch die Time to Hire (die Zeitdauer von der Entstehung der Vakanz bis zur Besetzung der Stelle) kann durch Mitarbeiterempfehlungen deutlich gesenkt werden. Laut Jobvite-Studie sagen 67 Prozent der Arbeitgeber, dass sich ihr Recruiting-Prozess verkürzte. 51 Prozent gaben an, dass die Kosten sanken.

Die Risiken von Empfehlungsprogrammen

Setzt ein Arbeitgeber sehr stark auf Mitarbeiterempfehlungen, kann es passieren, dass die Belegschaft zunehmend homogener wird. Denn die Mitarbeiter schlagen Personen aus ihrem direkten Umfeld vor, die ähnlich ticken und wahrscheinlich einen nahezu gleichen Werdegang haben. Damit verbaut sich das Unternehmen die Möglichkeit, neue und frische Ideen sowie andere Sichtweisen ins Haus zu holen. Das Programm kann auch scheitern, wenn es den Mitarbeitern an der Motivation fehlt, Empfehlungen abzugeben. Kommuniziert das Unternehmen das Programm nicht regelmäßig, gerät es schnell in Vergessenheit. Auch die Prämien müssen mit Bedacht gewählt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass rein monetäre Prämien weniger Empfehlungsaktivitäten generieren als beispielsweise zusätzliche Urlaubstage, Geschenk- oder Erlebnis-Gutscheine.

 

Ein großes Risiko, dass das Programm nicht von den Mitarbeitern angenommen wird, steckt auch in der Prämien-Auszahlung und in der Transparenz des Programms: Erhalten die Empfehlenden ihre Prämie nur nach mehrmaligem Nachfragen oder werden sie nicht darüber informiert, ob der von ihnen Empfohlene in die engere Auswahl kam oder eingestellt wurde, verlieren sie schnell die Lust, weitere Empfehlungen auszusprechen.

Fünf Tipps für erfolgreiche Mitarbeiterempfehlungen

Abgesehen vom Einsatz einer geeigneten Software sollten Unternehmen fünf Punkte beachten, damit ihr Empfehlungsprogramm gut funktioniert und passende Neueinstellungen generiert:

 

  1. Setzen Sie Mitarbeiterempfehlungen als einen von mehreren Recruiting-Wegen ein, um zu vermeiden, dass Ihre Belegschaft zu homogen wird.
  2. Sorgen Sie für klare Regeln und Prozesse und kommunizieren Sie diese. Eine wichtige Regel ist, dass die Mitarbeiter nicht verantwortlich für ihre Empfehlungen sind. Die Auswahlentscheidung obliegt weiterhin der Personalabteilung und der Führungskraft.
  3. Schaffen Sie Prämien, die von den Beschäftigten als gerechte Gegenleistung empfunden werden. Sehr niedrige Prämien bieten nicht genügend Anreize. Zu hohe Prämien können dazu führen, dass Empfehlungen rein um des Geldes willen ausgesprochen werden. Als sinnvoll gilt ein Prämien-Katalog mit nicht-monetären Prämien.
  4. Berichten Sie regelmäßig über das Programm, zum Beispiel über erfolgreiche Einstellungen oder über neue Prämien, damit das Empfehlungsprogramm stets präsent bleibt.
  5. Behalten Sie die Zahlen im Blick: In welchen Bereichen beziehungsweise bei welchen Tätigkeiten gibt es besonders wenig oder besonders viele Empfehlungen? Wie haben sich die Empfehlungen im Zeitverlauf verändert? Welche Maßnahmen waren dafür verantwortlich? Überlegen Sie: Wie können Sie die Empfehlungsquote weiter optimieren?

Fazit: Ein effektiver Recruiting-Weg, wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Mitarbeiterempfehlungen sind ein sehr effektiver Recruiting-Weg, der eine schnelle und kostengünstige Stellenbesetzung ermöglicht. Die empfohlenen Mitarbeiter passen in der Regel gut zur Firmenkultur und können schnell produktiv arbeiten. Damit Empfehlungsprogramme gut funktionieren, sollten sie über eine Software gesteuert werden und den Empfehlenden transparente Einblicke ermöglichen. Wichtig ist auch die Auswahl der Prämien und ein regelmäßiges Controlling.

Michael Eibisch

Als Leiter des Personalwesens werde ich täglich mit internen und externen Einflüssen konfrontiert. Ob Mitarbeiterentwicklung, Personalverwaltung oder gesetzliche Anpassungen – es gilt, stets auf dem neuesten Stand zu sein und ein offenes Ohr zu haben.

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