Wenn Wachstum neue Regeln braucht: Mit SAP-Integration das Marktplatzgeschäft skalieren
16. Juli 2025 | Lesezeit: 7 Minuten

Produktmanager bei FIS
Marktplätze versprechen Reichweite und Umsatz. Doch ohne integrierte Prozesse werden sie schnell zum Bremsklotz. Im Blog-Beitrag erfahren Sie anhand der Geschichte von Eva E-Commerce, wie Unternehmen ihr Marktplatzgeschäft erfolgreich skalieren.

Als Eva ihren neuen Job als E-Commerce-Leiterin bei der Mittelstand GmbH antrat, war die Richtung bereits vorgegeben. Die Mittelstand GmbH ist ein international tätiger Hersteller, der den Vertrieb breiter aufstellen wollte. Der klassische Handel lief stabil, der eigene Webshop war etabliert. Doch das Management wollte mehr Reichweite und schnelleres Wachstum.
Marktplätze schienen die perfekte Antwort zu sein. „Unsere Produkte sind beliebt, die Nachfrage ist da. Warum sollten wir nicht dort verkaufen, wo die Kunden ohnehin suchen?“, lautete der Tenor. Eva bekam den Auftrag, den Marktplatzvertrieb aufzubauen.
Der Start auf Marktplätzen verlief reibungslos. Erste Produkte gingen online und die Bestellungen kamen schneller als erwartet. Die Stimmung war gut. Bis der Alltag einsetzte.
Der Alltag im Marktplatzmodus: Wenn Wachstum Reibung erzeugt
Schon nach wenigen Wochen zeigte sich, dass Marktplätze anders funktionieren als der bisherige Vertrieb. Schnell änderte sich der Ton in internen Abstimmungsrunden. Im Team häuften sich operative Aufgaben. Aufträge müssen aus den Marktplatzportalen abgeholt und manuell ins SAP ERP-System übertragen werden.
Produktdaten werden mehrfach gepflegt, weil jeder Marktplatz andere Anforderungen stellt. Das Sortiment dann auch noch aktuell zu halten, scheint unmöglich. Ähnlich ist es bei den Preisen, die ebenfalls regelmäßig geprüft und angepasst werden – oft auch kurzfristig.
Aber auch andere Bereiche spürten die Folgen. Bestandszahlen aus dem Lager werden mühselig für jeden Marktplatz aktualisiert – manchmal rechtzeitig, manchmal zu spät. Die Buchhaltung kämpft mit Sammelabrechnungen und Zahlungsabgleichen.
Mit jedem weiteren Artikel und jeder zusätzlichen Plattform wird für Eva deutlicher, wo das eigentliche Problem liegt: Die Marktplatzprozesse sind nicht in die bestehende SAP-Prozesskette integriert. SAP ist zwar das führende System, aber in der Praxis entstehen zahlreiche Medienbrüche. Informationen werden aus SAP exportiert, extern verarbeitet, manuell ergänzt und wieder importiert. So gewinnt die Mittelstand GmbH zwar Aufträge, aber verliert Zeit, Sicherheit und im schlimmsten Fall: Kunden.
Der Moment des Zweifels: Wenn Marktplätze das ERP herausfordern
Diese manuellen Prozesse resultierten in einer Serie kleiner und größerer Probleme. Eva E-Commerce musste innerhalb weniger Tage mehrere Überverkäufe rechtfertigen. Preisabweichungen auf den unterschiedlichen Plattformen sorgten vermehrt für Rückfragen von Kunden und belasteten das Support-Team. Auch die Buchhaltung hakt zuletzt immer öfter nach, weil Zahlungen nicht eindeutig zugeordnet werden können.
Besonders kritisch waren drei Punkte:
Eva merkte schnell, dass auch mehr Personal die Probleme nicht lösen würde. Denn das eigentliche Bottleneck liegt nicht beim Team, sondern im Prozess. Nachhaltiges Marktplatzgeschäft braucht klare Regeln, saubere Daten und Abläufe, die automatisch greifen. Alles andere führt früher oder später zu Problemen.
Online-Marktplätze
Inhalt des Whitepapers
Vom Marktplatzprojekt zur Integrationsfrage: End-to-End-Prozesse müssen her!
An diesem Punkt änderte sich Evas Blick auf das Thema grundlegend. Statt immer wieder hastig einzelne Probleme zu lösen, rückt der Gesamtprozess in den Fokus. Vom Produktlisting über Preisfindung und Auftragsabwicklung bis hin zu Buchung und Zahlungsabgleich.
Der entscheidende Gedanke: Marktplätze müssen Teil der bestehenden Prozesskette werden. Produktdaten, Preise, Bestände, Aufträge und Buchungen sollen direkt aus SAP heraus gesteuert werden – automatisiert, regelbasiert und nachvollziehbar.
Konkret bedeutet das für das zukünftige Marktplatzgeschäft der Mittelstand GmbH:
Preise neu gedacht: Warum Regeln besser skalieren als Bauchgefühl
Ein Bereich, mit dem sich das E-Commerce-Team bis dato noch nicht vollumfänglich beschäftigt hat, ist das Thema Preisgestaltung. Doch sie wissen: Feste Preise funktionieren im Marktplatzumfeld selten lange. Das liegt vor allem an der hohen Dynamik von Nachfrage, Wettbewerb und Anforderungen der Plattformen.
Deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf regelbasiere Kalkulationen. Statt Preise manuell zu pflegen, werden Verkaufspreise automatisiert ermittelt – auf Basis von Bezugspreisen, Fixkosten, Zuschlägen, Abschlägen und marktplatzspezifischen Vorgaben.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Preise bleiben konsistent, nachvollziehbar und skalierbar. Das Team gewinnt Zeit und das Unternehmen bleibt wettbewerbsfähig, ohne ständig eingreifen zu müssen. Perspektivisch lassen sich solche Modelle sogar erweitern – etwa durch den Abgleich mit Wettbewerbspreisen. Das Prinzip lässt sich einfach verstehen: Preise folgen Regeln und nicht der Tagesform.
Wie stark sind ihre Marktplatzprozesse schon automatisiert?
Integration statt Insellösung: Wie sich der Alltag spürbar veränderte
Die Lösung findet Eva schließlich nicht in einer zusätzlichen Plattform oder einem größeren Team. Die Entscheidung fällt auf die Etablierung einer passenden Middleware. Bis dahin liefen viele Prozesse nebeneinander. Marktplätze kommunizierten in ihrer eigenen Logik, SAP arbeitete in seiner. Dazwischen stand das Team und übersetzte manuell. Genau diese Lücke schließt die Middleware.
Sie übernimmt die Rolle des Vermittlers. Produktdaten werden strukturiert aus SAP übernommen und marktplatzgerecht aufbereitet. Preise werden nicht mehr extern gepflegt, sondern regelbasiert auf Grundlage von SAP-Daten berechnet und über die Middleware synchronisiert. Bestände laufen automatisiert und in Echtzeit in beide Richtungen. Aufträge werden direkt ins ERP überführt und dort wie gewohnt weiterverarbeitet. Selbst Zahlungs- und Statusmeldungen finden ihren Weg zurück ins Kern-System, ohne dass jemand Excel-Tabellen öffnen muss.
Für Eva eine echte Erleichterung: Das E-Commerce-Team muss keine Daten mehr kopieren oder prüfen, ob Informationen korrekt übertragen wurden. Der Vertrieb kann sich auf aktuelle Bestände verlassen. In der Buchhaltung kommen strukturierte Zahlungsinformationen an, die sich sauber verbuchen lassen. Außerdem lassen sich neue Plattformen anbinden, ohne dass bestehende Prozesse jedes Mal neu gedacht werden müssen. Schlussendlich machte die Middleware aus vielen Einzelschnittstellen eine stabile Prozesskette – und genau das brachte die Ruhe zurück ins Tagesgeschäft.
Fazit: Wachstum braucht Struktur – gerade auf Marktplätzen
Die Geschichte von Eva E-Commerce und der Mittelstand GmbH zeigt, wie es in vielen Unternehmen noch heute stressiger Alltag ist. Marktplätze bringen neues Volumen, aber sie bringen auch Aufwand, Komplexität und neue Fehlerbilder. Wer das Marktplatzgeschäft dauerhaft erfolgreich betreiben will, muss es als festen Bestandteil seines Geschäftsmodells verstehen und die Prozesse entsprechend aufstellen.
Die Integration in SAP spielt dabei eine zentrale Rolle, um die Kette von Produktlistung über den Auftrag bis zur Buchung zu schließen. Dieses End-to-End-Prozessdenken bildet die Voraussetzung dafür, dass Wachstum nicht in manueller Arbeit endet.
Oder, wie Eva es heute formuliert: Marktplätze sind kein Nice-to-Have. Sie sind Teil des Kerngeschäfts. Und genau so müssen sie auch im System laufen.

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