Multi-Carrier-Anbindung in SAP: Wie Unternehmen ihren Versand flexibler und unabhängiger steuern
19. August 2026 | Lesezeit: 8 Minuten

Strategisches Produktmarketing bei FIS
Paketdienstleister und Speditionen gehören für viele Unternehmen zum täglichen Versandgeschäft. Doch mit jedem externen Dienstleister stellt sich auch die Frage nach der technischen Anbindung: Wie gelangen Versanddaten aus SAP zum richtigen Transportpartner? Wer pflegt die unterschiedlichen Schnittstellen? Und wie flexibel lässt sich ein Dienstleister wechseln, wenn Preise steigen, Kapazitäten fehlen oder besondere Transportanforderungen entstehen?

10 wichtige Fragen und Antworten zeigen, was für eine Multi-Carrier-Anbindung spricht, welchen Aufwand sie Unternehmen abnimmt und wie sich Carrier direkt in den SAP-gestützten Pack- und Versandprozess integrieren lassen.
Im Interview erklärt Laurin Paul Schlereth, Product Owner im Bereich Warehouse & Transport Solutions bei FIS, worauf es dabei in der Praxis ankommt und wie FIS/PackingCenter die Multi-Carrier-Anbindung mit Verpackung und Versand in SAP verbindet.
FIS-Wissen
1. Für welche Unternehmen lohnt sich eine zentrale Multi-Carrier-Anbindung?
Im Grunde für jedes Unternehmen, das externe Transportdienstleister einsetzt – ob KEP-Dienstleister wie DHL, DPD oder UPS, Speditionen oder andere Transportunternehmen. Das gilt auch für Unternehmen mit eigenem Fuhrpark, die etwa kleinere Sendungen, Kapazitätsspitzen oder spezielle Transporte extern vergeben. Sobald Dienstleister Teil des Versandprozesses sind, lohnt sich eine zentrale Integration in die bestehenden Abläufe.
2. Warum wird die Anbindung mehrerer Versanddienstleister schnell zum IT-Thema?
Weil jeder Dienstleister eigene technische Anforderungen hat. Datenfelder, Formate, Rückmeldungen und Fehlercodes unterscheiden sich – eine einmal entwickelte Schnittstelle lässt sich daher nicht einfach für einen anderen Carrier übernehmen. Hinzu kommt der laufende Pflegeaufwand: Schnittstellen werden verändert, ältere Versionen abgeschaltet und Integrationen müssen angepasst und erneut getestet werden. Mit jedem zusätzlichen Dienstleister wächst damit auch die dauerhafte Belastung für die eigene IT.
3. Wie lässt sich der Aufwand für Entwicklung und Pflege dieser Schnittstellen reduzieren?
Hier setzt eine Multi-Carrier-Plattform an. Statt jeden Dienstleister einzeln mit dem eigenen System zu verbinden, gibt es eine zentrale Schnittstelle. Das Unternehmen übermittelt seine Versanddaten immer im gleichen Format.
Die Plattform bereitet sie anschließend so auf, wie der ausgewählte Dienstleister sie benötigt. Sie übernimmt also die unterschiedlichen technischen Anforderungen der einzelnen Webservices.
Auch Änderungen an den Carrier-Schnittstellen müssen damit nicht mehr für jede individuelle Integration im eigenen Unternehmen nachgezogen werden. Die Pflege wird gebündelt, während das Unternehmen weiterhin über eine einheitliche Schnittstelle kommuniziert.

FIS/PackingCenter verfolgt genau diesen Ansatz und verbindet die Multi-Carrier-Anbindung direkt mit Verpackung und Versandvorbereitung in SAP – eine Lösung, alle Funktionen, direkt in SAP.
4. Wie bleiben Unternehmen bei der Wahl ihrer Transportdienstleister flexibel?
Welcher Dienstleister am besten passt, kann sich schnell ändern: Ein Carrier bietet bessere Konditionen, ein anderer übernimmt Gefahrgut, hat freie Kapazitäten oder eignet sich besser für eine bestimmte Region. Auch bei Streiks oder kurzfristigen Ausfällen braucht es eine Alternative, damit Sendungen das Lager weiterhin verlassen können. Wer dafür jedes Mal zunächst eine neue Schnittstelle entwickeln muss, kann nur langsam reagieren.
Über die integrierte Multi-Carrier-Anbindung lassen sich verfügbare Dienstleister gezielt aktivieren und bei Bedarf einsetzen. Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und schafft gleichzeitig einen Fallback, ohne für jeden möglichen Ersatzdienstleister eine eigene Schnittstelle entwickeln und dauerhaft pflegen zu müssen. Wer externe Transportdienstleister einsetzt, sollte deshalb nicht nur fragen, welche Carrier heute angebunden sind – sondern wie schnell sich morgen ein neuer nutzen lässt.
5. Wie kommen vorhandene Versanddaten ohne Umweg aus SAP zum Transportdienstleister?
Viele benötigte Informationen liegen bereits im SAP-System vor: Lieferadresse, Liefertermin, Anzahl und Art der Packstücke oder weitere Angaben zur Sendung. Fehlt eine direkte Anbindung, werden diese Daten häufig per E-Mail, Telefon, Excel oder über ein separates Carrier-Portal weitergegeben.
FIS/PackingCenter nutzt die vorhandenen Daten direkt für die weitere Versandabwicklung. Sie müssen nicht erneut manuell übertragen, sondern können über die integrierte Multi-Carrier-Anbindung an den gewählten Transportdienstleister weitergegeben werden. Das reduziert Medienbrüche und das Risiko, dass Angaben falsch übernommen oder vergessen werden – beispielsweise wichtige Informationen zu Gefahrgut.
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6. Wie lassen sich unterschiedliche KEP-Dienstleister zentral in den Versandprozess integrieren?
Mit rund 300 verfügbaren Carrier-Anbindungen können Unternehmen je nach Sendung, Region oder Anforderung den passenden Dienstleister einsetzen – etwa für internationalen Versand, Standard- oder Expressservices oder spezielle Anforderungen wie Gefahrgut. Neue oder alternative Carrier lassen sich einbinden, ohne für jede Versandoption eine eigene Schnittstelle entwickeln zu müssen.
Über das FIS/PackingCenter ist diese Auswahl direkt mit dem Pack- und Versandprozess in SAP verbunden. Versandlabels, Trackingnummern und weitere versandrelevante Daten werden zentral verarbeitet und automatisiert übertragen. So bleibt die Versandabwicklung auch bei unterschiedlichen Dienstleistern in einem durchgängigen Prozess und Unternehmen behalten den Überblick über ihre Pakete und Sendungen.
7. Wie lassen sich Labels, Trackinginformationen und Fehlermeldungen einheitlich verarbeiten?
Die Vereinheitlichung funktioniert nicht nur bei den Daten, die an einen Carrier gesendet werden. Auch die Rückmeldungen werden zentral verarbeitet. Dazu gehören Versandlabels, Trackingnummern und Tracking-URLs sowie Warn- und Fehlermeldungen. Überschreitet eine Sendung etwa das zulässige Gewicht eines Dienstleisters, kommt eine entsprechende Meldung zurück.Bei einzelnen Carrier-Schnittstellen müsste auch dieses Fehlerhandling jeweils individuell entwickelt werden.
Über die Multi-Carrier-Plattform werden solche Informationen in einem einheitlichen Format zurückgegeben und können im eigenen System direkt weiterverarbeitet werden. Daten gehen also einheitlich hinaus und kommen einheitlich wieder zurück.
8. Wann lohnt es sich, auf eine Multi-Carrier-Plattform zu setzen, statt selbst zu entwickeln?
Eine Eigenentwicklung kann zunächst attraktiv erscheinen, weil das Unternehmen die Integration selbst in der Hand hat. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Aufwand für die erste Schnittstelle. Über die Jahre müssen Änderungen umgesetzt, neue Versionen getestet und gegebenenfalls weitere Dienstleister integriert werden. Aus einem einmaligen Entwicklungsprojekt wird so eine dauerhafte Aufgabe.
Bei einer bestehenden Multi-Carrier-Lösung stehen den laufenden Kosten unter anderem Softwarepflege und die Wartung der Carrier-Schnittstellen gegenüber. Unternehmen sollten deshalb den gesamten Lebenszyklus betrachten. Am Ende steht auch die Frage, wo die eigenen IT-Ressourcen den größeren Mehrwert schaffen: bei der Pflege externer Carrier-Webservices oder bei den eigenen Geschäfts- und Logistikprozessen.
9. Wie lässt sich FIS/PackingCenter in heutige und künftige SAP-Landschaften integrieren?
FIS/PackingCenter ist so konzipiert, dass die Lösung in unterschiedliche SAP-Logistikszenarien integriert werden kann – von SAP EWM über klassische ERP-Szenarien bis hin zu Public-Cloud-Umgebungen. Technologisch basiert FIS/PackingCenter auf der SAP Business Technology Platform und wird Side-by-Side angebunden. Damit lässt sich die Lösung in bestehende SAP-Landschaften integrieren und berücksichtigt gleichzeitig den Clean-Core-Ansatz. Unternehmen erhalten damit eine technologische Basis, die auch bei der Weiterentwicklung ihrer SAP-Landschaft genutzt werden kann.
10. Warum lohnt es sich, Verpacken und Versenden als einen durchgängigen Prozess zu betrachten?
Weil am Packtisch bereits die Informationen entstehen, die für den anschließenden Versand benötigt werden. Dort steht fest, welche Artikel tatsächlich verpackt wurden, welche Handling Units entstanden sind und wie die Sendung aufgebaut ist. FIS/PackingCenter führt diese Schritte zusammen. Mitarbeiter werden beim Verpacken durch eine übersichtliche Oberfläche, Scanner-Unterstützung und geführte Abläufe unterstützt.
Anschließend werden die relevanten Daten direkt für die Versandabwicklung und den ausgewählten Transportdienstleister weiterverwendet. Damit entsteht kein neuer Medienbruch zwischen Verpacken und Versenden. Verpackung, Versandvorbereitung und Multi-Carrier-System greifen direkt im SAP-Prozess ineinander.
Auch Sonderfälle lassen sich abdecken: Entsteht eine einzelne Sendung außerhalb des regulären SAP-Prozesses – beispielsweise beim Versand von Werbemitteln –, kann sie über die Oberfläche der Multi-Carrier-Plattform manuell erfasst und an den gewünschten Dienstleister übergeben werden. So reicht der Prozess vom Packtisch bis zur Übergabe an den Carrier – unabhängig davon, ob die Daten direkt aus dem SAP-System übertragen, oder manuell in der Benutzeroberfläche der Multi-Carrier-Plattform eingegeben werden.
Fazit
„Eine Multi-Carrier-Anbindung schafft nicht nur mehr Auswahl bei Versanddienstleistern. Sie gibt Unternehmen vor allem die Flexibilität, auf neue Anforderungen zu reagieren, ohne für jeden Carrier eine eigene Schnittstelle entwickeln und pflegen zu müssen. In Verbindung mit SAP entsteht so ein durchgängiger Versandprozess, der technische Aufwände reduziert und den Wechsel oder die Ergänzung von Dienstleistern deutlich erleichtert“, fasst Laurin Paul Schlereth zusammen.
Über Laurin Paul Schlereth
Als Berater und Product Owner im Bereich Warehouse & Transport Solutions beschäftige ich mich mit der Frage, wie Unternehmen ihre Logistikprozesse zukunftsfähig aufstellen – von SAP Extended Warehouse Management bis SAP Logistics Management.
Mein Fokus liegt dabei nicht nur auf der Einführung einzelner Lösungen, sondern auf der strategischen Einordnung: Welche Prozesse benötigen die Tiefe von SAP EWM? Wo eröffnet SAP LGM neue Möglichkeiten für Standorte mit niedriger bis mittlerer Komplexität? Und wie lässt sich die bestehende Systemlandschaft so weiterentwickeln, dass sie zu Roadmap, Architektur und operativen Realität passt?
In der Beratung verbinde ich Prozessverständnis, SAP- sowie ERP-Expertise und den Blick für praktikable Umsetzungsschritte. Ziel ist es, Logistiklösungen nicht nur technisch einzubinden, sondern so auszurichten, dass sie Unternehmen langfristig unterstützen.

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