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Vom Mythos zur Machbarkeit – AutoStore im Faktencheck

AutoStore gilt als platzsparendes, schnellstes Kleinteilelager mit maximaler Lagerdichte, schnellen Robotern und kompakter Bauweise. Doch was steckt wirklich dahinter? Im Blog-Beitrag räumen wir mit Mythen auf, erklären die Technik Schritt für Schritt und zeigen, wie die Integration in SAP EWM gelingt.
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Vom Mythos zur Machbarkeit – AutoStore im Faktencheck

15. Januar 2026 | Lesezeit: 9 Minuten

Matthias Hübner

Leiter der Abteilung Warehouse & Transport Solutions bei FIS

AutoStore gilt als platzsparendes, schnellstes Kleinteilelager mit maximaler Lagerdichte, schnellen Robotern und kompakter Bauweise. Doch was steckt wirklich dahinter? Im Blog-Beitrag räumen wir mit Mythen auf, erklären die Technik Schritt für Schritt und zeigen, wie die Integration in SAP EWM gelingt.

Spricht man über moderne Lagerautomatisierung, fällt der Begriff AutoStore mittlerweile fast immer. Das System hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype ausgelöst: maximale Lagerdichte, schnelle Roboter, kompakte Bauweise. Ein „Gamechanger“ für die Intralogistik, so heißt es häufig.

Doch gerade bei Technologien, die viel Aufmerksamkeit erzeugen, kursieren zahlreiche Mythen. Manche Unternehmen fragen sich, ob ein AutoStore-System nur für Konzerne mit riesigen Logistikzentren interessant ist. Andere sind überzeugt, dass die Technik zu starr sei, um auf Veränderungen zu reagieren. Und nicht wenige gehen davon aus, dass die Anbindung an SAP-Systeme nur über aufwendige Middleware möglich ist.

Tatsächlich zeigt sich in Projekten ein anderes Bild: Der AutoStore ist flexibel einsetzbar, lässt sich direkt an SAP EWM anbinden und überzeugt vor allem durch seine Anpassungsfähigkeit bei Kapazität und Leistung.

In diesem Beitrag werfen wir deshalb einen nüchternen Blick auf die Technik, vergleichen AutoStore mit klassischen Automatisierungssystemen wie AKL oder Shuttle, gehen auf Vor- und Nachteile ein und räumen mit typischen Mythen auf.

Welche Mythen rund um das Automatisierungssystem AutoStore halten sich besonders hartnäckig?

Das System eignet sich nur für Großunternehmen.

Die Realität ist vielfältiger: Es gibt AutoStore-Systeme mit nur wenigen hundert Behältern ebenso wie Mega-Projekte mit über einer Million Stellplätzen.

Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die Frage, wie sortiments- und prozessspezifisch der AutoStore passt.

AutoStore ist starr und schwer veränderbar.

Auch das stimmt nur bedingt. Zwar ist das Grid ein bauliches Element, das geplant und aufgebaut werden muss.

Aber innerhalb dieses Rahmens lässt sich die Anlage flexibel anpassen und erweitern. Roboter und Ports können hinzugefügt werden, ohne dass das gesamte System stillgelegt werden muss.

Zudem kann ein AutoStore-System auch „um die Ecke“ gebaut oder auf einer Bühne installiert werden, sodass sich selbst bestehende Gebäude effizient ausnutzen lassen.

Die Integration in SAP EWM ist komplex.

Und schließlich hält sich die Vorstellung, dass eine Integration in SAP EWM nur mit zusätzlicher Middleware möglich sei. Lange Zeit war das korrekt, weil viele Lagertechniken zwingend eine Materialflusssteuerung benötigten.

Bei einem AutoStore sieht das heute anders aus. Durch den standardisierten Web-Service ist eine direkte Anbindung an SAP EWM möglich – schnell, schlank und ohne zusätzliche Systemschicht.

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Wie funktioniert das „Cube Storage“-System von AutoStore – ist es wirklich nur ein „Roboterlager“?

Um AutoStore zu verstehen, genügt ein Blick auf die fünf zentralen Bausteine, die das System ausmachen.

Zunächst gibt es die Behälter, die sogenannten Bins. Sie definieren die physische Grenze dessen, was im AutoStore eingelagert werden kann. Das Innenmaß beträgt 600 mal 400 Millimeter, es gibt drei unterschiedliche Höhen. Alles, was nicht hineinpasst, ist nicht AutoStore-fähig. Diese klare Restriktion ist einerseits eine Grenze, sorgt aber auch für Standardisierung und damit für Prozesssicherheit.

Das zweite Element ist das Grid. Dabei handelt es sich um ein Aluminiumraster, das Behälter stapelt und für die Roboter zugänglich macht. Dieses Grid ist hochgradig modular, lässt sich an Immobilien anpassen und um Hindernisse wie Stützen herumführen.

Auf diesem Grid bewegen sich die Roboter. Sie sind die dritte Komponente und übernehmen die Aufgabe, Behälter auszulagern und an Ports zu transportieren. Die Roboter sind auch dafür zuständig die Bins im Rahmen der Einlagerung von den Ports an ihren vorgesehenen Platz im Grid zu befördern.

Ihre Anzahl bestimmt maßgeblich die Leistungsfähigkeit der Anlage, denn je mehr Roboter im Einsatz sind, desto schneller können Aufträge abgearbeitet werden. Hierbei sollte unbedingt auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Roboteranzahl und Oberflächengröße geachtet werden. Sind zu viele Roboter auf kleiner Fläche unterwegs, kommen sie sich in die Quere.

Die Ports stellen das vierte Element dar. Sie sind die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Hier entnimmt ein Mitarbeitender Artikel für die Kommissionierung, lagert Ware ein oder führt Inventuren und Value-Added-Services durch. Die Ports lassen sich flexibel anbringen und auf die Anforderungen des Betriebs abstimmen.

Schließlich gibt es die Software. Sie orchestriert das Zusammenspiel von Grid, Roboter und Ports, nimmt Aufträge aus dem übergeordneten System entgegen und steuert die Abarbeitung. Die Software ist das eigentliche Herzstück des Systems, denn sie sorgt dafür, dass immer die richtigen Behälter zur richtigen Zeit am richtigen Port landen. 

Worin unterscheidet sich AutoStore von AKL und Shuttle-Systemen?

Unternehmen stehen oft vor der Entscheidung: Setze ich auf ein automatisches Kleinteilelager (AKL), ein Shuttle-System oder AutoStore? Der Unterschied liegt in der Art, wie Stellplätze und Leistung organisiert sind.

Beim AKL fahren Regalbediengeräte durch Gassen, um Behälter oder Kartons seitlich aus Regalen zu holen. Die Stellplatzfläche ist hoch, die Leistung pro Stunde jedoch begrenzt, da ein Regalbediengerät immer nur eine Gasse bedient. Shuttles lösen dieses Problem teilweise, indem pro Ebene kleine Fahrzeuge eingesetzt werden. Dadurch steigt die Leistung, die Stellplatzdichte ist jedoch geringer.

AutoStore unterscheidet sich grundlegend, weil es nicht gassengebunden ist. Stattdessen stapelt es Behälter im Grid übereinander. Die Leistung wird durch die Anzahl der Roboter und Ports bestimmt und lässt sich flexibel steigern. Die Stellplatzdichte wiederum ist deutlich höher als bei AKL oder Shuttle. In der Praxis bedeutet das: Während AKL und Shuttle jeweils ihre spezifischen Stärken und Grenzen haben, deckt AutoStore ein breiteres Spektrum ab und eignet sich deshalb für sehr unterschiedliche Szenarien. 

Für welche Szenarien lohnt sich ein AutoStore besonders?

AutoStore zeigt seine Stärken vor allem dann, wenn Lagerflächen knapp sind oder wenn hohe Flexibilität gefragt ist. In Brownfield-Szenarien, also in bestehenden Gebäuden, kann das Grid um bauliche Gegebenheiten herum geplant werden. In Greenfield-Szenarien lassen sich dagegen perfekte Layouts entwickeln, die eine maximale Verdichtung erlauben. Auch Bühnenlösungen sind möglich, sodass die Technik nicht das gesamte Erdgeschoss blockiert.

Ob sich die Investition lohnt, hängt weniger von der Unternehmensgröße ab, sondern von Sortiment und Prozessen. Kleine Anlagen mit wenigen hundert Behältern können für Nischenanbieter attraktiv sein, während Konzerne Millionen-Behälter-Systeme betreiben. Durchschnittlich bewegen sich Anlagen heute bei rund 50.000 Stellplätzen – ein Bereich, in dem sich viele mittelständische Unternehmen wiederfinden. 

Welche Effekte bringt Ware-zum-Mann in der Praxis?

Das entscheidende Prinzip von AutoStore ist Ware-zum-Mann (engl. Goods-to-Person). Statt dass Mitarbeitende durch das Lager laufen, kommen die Artikel direkt an den Arbeitsplatz. Dadurch entfallen Wege- und Suchzeiten, Fehler sinken und die Produktivität steigt deutlich.

Hinzu kommt, dass Mitarbeitende entlastet werden. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist es für viele Betriebe entscheidend, Mitarbeitende von repetitiven Tätigkeiten zu befreien und sie für wertschöpfende Aufgaben einzusetzen. Strategisch bringt AutoStore zudem Flexibilität, da sich Leistung und Kapazität jederzeit anpassen lassen – ein wichtiger Faktor in volatilen Märkten. 

Wie gelingt die Integration in SAP EWM?

Die Verbindung von AutoStore mit SAP EWM ist weniger komplex, als viele annehmen. Sie erfolgt über einen standardisierten Web-Service, der Aufträge im XML-Format überträgt. SAP EWM übersetzt die Prozesse und übergibt sie an AutoStore, das wiederum Statusmeldungen und Bestände zurückmeldet. Damit entfällt eine zusätzliche Materialflusssteuerung, die in klassischen Projekten oft nötig war.

Diese direkte Integration reduziert nicht nur die Projektlaufzeit, sondern auch das Risiko von Schnittstellenproblemen. Unternehmen profitieren von einem stabileren Setup und einem geringeren Aufwand bei Wartung und Updates.

Noch schneller und einfacher wird die Integration durch Best-Practice-Lösungen wie den FIS/AutoStore-Connector. Er liefert ein vordefiniertes Framework und moderne Dialoge für beispielsweise Ein- und Auslagerungen via Plug-and-Play. Ports lassen sich gezielt steuern, Test- und Notfallszenarien sind abbildbar, und die Segmentierung der Behälter kann flexibel angepasst werden. Außerdem kann die eigene Emulation von AutoStore bespielt werden: Unternehmen können so Prozesse testen und optimieren, bevor die Hardware steht. So lassen sich Risiken minimieren und ein schneller Go-Live sichergestellt werden.

Welche Stolpersteine gilt es im AutoStore-Projekt zu vermeiden?

Trotz aller Vorteile birgt auch AutoStore Herausforderungen. Ein häufiger Punkt sind die Stammdaten: Maße und Gewichte müssen korrekt gepflegt sein, sonst können Probleme bei Ein- und Auslagerungen entstehen. Auch die Synchronität zwischen physischem und systemischem Bestand ist entscheidend.

Zudem sollten Prozesse so standardnah wie möglich gestaltet werden. Historisch gewachsene Sonderlösungen wirken sich oft negativ auf die Performance aus. Schließlich ist Change-Management ein kritischer Erfolgsfaktor: Key-User müssen früh eingebunden und Mitarbeitende geschult werden – idealerweise bereits mit der Emulation, damit der Übergang in den Echtbetrieb reibungslos funktioniert. 

Fazit

AutoStore ist keine Allzwecklösung, aber eine der flexibelsten und effizientesten Technologien in der Kleinteileautomatisierung. Wer Sortiment und Prozesse sauber prüft, profitiert von hoher Lagerdichte, adaptiver Leistung und einer standardnahen Integration in SAP EWM – ganz ohne zusätzliche Middleware.

Der Schlüssel liegt in guten Daten, einem klaren Prozessdesign und einer konsequenten Einbindung der Anwender. Dann wird aus dem viel diskutierten Mythos AutoStore ein handfester Wettbewerbsvorteil, der sich operativ wie strategisch auszahlt.

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