In 20 Wochen zum Go-Live: AutoStore praxisnah mit SAP EWM umsetzen
22. Januar 2026 | Lesezeit: 8 Minuten

Leiter der Abteilung Warehouse & Transport Solutions bei FIS
Kann man eine komplexe Lagerautomatisierung tatsächlich in nur 20 Wochen produktiv stellen? Mit AutoStore ist genau das möglich – wenn Prozesse klar definiert, Daten sauber erhoben und die richtigen Partner an Bord sind. Wie ein solcher Weg vom ersten Datensatz bis zum Go-Live aussieht, zeigt dieser Praxisleitfaden.

In der Logistik begegnet man teilweise langen Projektlaufzeiten – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Shuttle-Systeme oder automatische Kleinteilelager werden über Jahre geplant, Budgets verschlingen hohe Beträge und der Go-Live rückt in scheinbar unerreichbare Ferne.
Umso erstaunlicher klingt es, wenn AutoStore von einer Durchlaufzeit von nur 20 Wochen spricht – vom Auftragseingang bis zur produktiven Anlage. Kann das wirklich funktionieren? Und was müssen Unternehmen tun, um diesen Zeitrahmen auch einzuhalten?
Dieser Beitrag beleuchtet, wie das möglich ist. Er zeigt, welche Vorarbeiten nötig sind, welche Daten für die Planung entscheidend sind, wie das Zusammenspiel von Technologieanbieter, Integrator und SAP-Beratung funktioniert und welche Rolle standardisierte Integrationslösungen spielen.
Wo beginnt ein AutoStore-Projekt – bei Bedarf oder bei Daten?
Die kurze Antwort: bei beidem. Bevor die Technik ins Spiel kommt, sollten Unternehmen klären, warum sie AutoStore überhaupt einführen möchten. Geht es primär darum, Lagerfläche kompakter zu nutzen, um Engpässe zu beseitigen? Steht die Optimierung von Durchsatz und Kommissionierzeiten im Vordergrund? Oder sollen Fachkräfte entlastet und Fehlerquoten gesenkt werden? Eine klare Zieldefinition ist die Basis für jedes Projekt.
Parallel dazu beginnt die Arbeit an den Daten. Denn ohne Daten lässt sich kein Grid planen, keine Roboterzahl kalkulieren und kein Budgetrahmen aufstellen. Im ersten Schritt geht es um einfache, aber entscheidende Fragen: Welche Artikel sollen im AutoStore gelagert werden und passen sie in die Behälter? AutoStore kennt drei Höhenklassen, das Grundmaß ist 600 × 400 Millimeter. Alles, was diese Maße überschreitet, ist nicht AutoStore-fähig. Schon dieser Abgleich sortiert viele Unsicherheiten aus.
Im zweiten Schritt rücken Auftrags- und Prozessdaten in den Fokus. Wie viele Aufträge fallen pro Tag oder Stunde an? Wie viele Positionen haben diese Aufträge im Durchschnitt? Und wie viele Picks ergeben sich daraus? Diese Kennzahlen bestimmen maßgeblich, wie viele Roboter und Ports erforderlich sind, um den gewünschten Durchsatz zu erreichen. Ergänzend ist es wichtig, die Prozesszeiten zu betrachten: Wie lange dauert ein Kommissioniervorgang aktuell? Werden Pick- und Packprozesse getrennt oder kombiniert durchgeführt? Welche Rolle spielen Value-Added-Services? Aus diesen Antworten entsteht ein realistisches Bild des Soll-Prozesses und eine Grundlage für das erste Systemdesign.
Wie wird aus Daten ein Layout – und aus Layout Leistung?
Sind die Daten einmal erhoben, geht es erstaunlich schnell. AutoStore nutzt ein Grid-Designer-Tool, mit dem auf Basis der Artikel- und Auftragsstruktur ein erstes Layout erstellt wird. Länge, Breite, Höhe, Anzahl der Behälter und Roboter, Ports für Ein- und Auslagerung – all das lässt sich in kurzer Zeit ableiten. Innerhalb eines Tages kann so ein erstes Design mit Budgetrahmen vorliegen.
Entscheidend ist, dass AutoStore in zwei Dimensionen skaliert: Kapazität wird über die Anzahl der Behälter und die Ausdehnung des Grids gesteuert, Leistung über die Zahl der Roboter und Ports. Unternehmen können also mit einer überschaubaren Lösung starten und bei Bedarf nachrüsten. Diese Flexibilität unterscheidet AutoStore von klassischen Shuttle-Systemen, die langfristig und auf Jahre hinaus dimensioniert werden müssen.
Für Unternehmen bedeutet das eine geringere Kapitalbindung und mehr Sicherheit in volatilen Märkten. Denn niemand kann exakt vorhersagen, wie sich Auftragsvolumina in drei oder fünf Jahren entwickeln. Mit AutoStore lässt sich ein System auf den aktuellen Bedarf zuschneiden – und bei Bedarf erweitern, ohne das Grundkonzept in Frage zu stellen.
Wer hält die Fäden im Projekt in der Hand?
Ein AutoStore-Projekt lebt vom Zusammenspiel verschiedener Akteure. AutoStore selbst liefert die Technologie und das Grunddesign, ein Integrator baut die Anlage vor Ort auf, während die SAP-Beratung sicherstellt, dass die Prozesse im System abgebildet sind. Doch was wie eine klassische Rollenaufteilung klingt, ist in der Praxis eine enge Verzahnung.
Gerade der SAP-Partner übernimmt eine Schlüsselrolle. Denn Automatisierung endet nicht am Port, sondern erst, wenn der Auftrag im ERP-System angelegt, im Lager korrekt kommissioniert und anschließend versendet ist. Nur wenn diese Prozesskette nahtlos ineinandergreift, entfaltet AutoStore seinen Wert. Hier zeigt sich, wie entscheidend es ist, neben der Hardware-Expertise auch Prozess-Know-how im Boot zu haben.
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Inhalt des Whitepapers:
Warum ist die Integration in SAP EWM so wichtig?
Eine Automatisierungslösung entfaltet ihren Wert erst, wenn sie nahtlos in die übergeordneten Prozesse integriert ist. AutoStore ist dafür prädestiniert, denn es kommuniziert standardisiert über Web-Services mit SAP EWM. Aufträge werden in einer XML-Struktur übermittelt, das System führt sie aus und meldet den Status zurück. Ein separates Materialflusssteuerungssystem ist nicht erforderlich.
Das reduziert Komplexität, Projektlaufzeit und Kosten. Noch schneller geht es mit dem FIS/AutoStore-Connector. Er bündelt Best Practices aus zahlreichen Projekten und liefert ein vordefiniertes Framework, moderne Dialoge für beispielsweise Ein- und Auslagerung, eine Port-Steuerung und sogar Notfall- und Testfunktionen. Zusätzlich können Prozesse durch die integrierte Emulation von AutoStore simuliert und optimiert werden, bevor die erste Hardware installiert ist. Damit lassen sich Fehlerquellen früh identifizieren und beheben.
Wie läuft ein Projekt von der Planung bis zum Go-Live ab?
Der Fahrplan lässt sich grob in drei Phasen unterteilen: Vorbereitung, Implementierung und Stabilisierung.
Nachdem Ziele und Daten geklärt sind, erstellt AutoStore das erste Grid-Design.
Parallel prüft der SAP-Partner die Prozessanforderungen und erarbeitet ein Integrationskonzept.
Bereits in dieser Phase kommen die ersten Emulationen zum Einsatz, um Prozessvarianten zu testen und Key-User zu schulen.
Während der Implementierung wächst das Grid physisch in der Halle, Roboter nehmen Gestalt an und Ports werden eingerichtet.
Zeitgleich laufen im SAP-System die Prozesse, sodass beides auf den Go-Live zusteuert.
Nach dem Go-Live beginnt eine intensive Hypercare-Phase.
Die Anlage läuft, erste Erfahrungswerte werden gesammelt, Parameter nachjustiert.
Entscheidend ist hier das Zusammenspiel aller Beteiligten – von den Mitarbeitern am Port über den SAP-Support bis hin zum AutoStore-Integrator.
Der Vorteil: Während Shuttle-Systeme oft zwei Jahre und mehr bis zum Go-Live benötigen, lässt sich AutoStore in rund 20 Wochen produktiv setzen. Das verkürzt den ROI und reduziert Projektrisiken erheblich.
Warum ist Flexibilität heute der entscheidende Faktor?
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie volatil Märkte sein können: Handelskonflikte, Pandemie, Lieferkettenkrisen oder der schnelle Wechsel von B2B- zu B2C-Kanälen stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. In solchen Situationen ist es ein klarer Vorteil, wenn ein Lagersystem flexibel anpassbar ist. AutoStore bietet genau diese Möglichkeit. Mit zusätzlichen Robotern oder Ports lässt sich Leistung kurzfristig steigern, durch Erweiterung des Grids die Kapazität vergrößern.
Damit wird Automatisierung zu einem strategischen Werkzeug, um auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Unternehmen, die heute in ein flexibles System investieren, sichern sich die Möglichkeit, morgen schneller auf neue Anforderungen zu reagieren – sei es durch ein stark wachsendes Onlinegeschäft, durch schwankende Nachfrage oder durch veränderte Sortimentsstrukturen.
Fazit
Ein Go-Live in 20 Wochen mag auf den ersten Blick unrealistisch erscheinen. Doch AutoStore zeigt, dass es möglich ist – wenn Daten und Prozesse von Anfang an sauber aufbereitet sind und die richtigen Partner zusammenspielen.
Wer sich auf diesen Ansatz einlässt, gewinnt nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Sicherheit. Denn anstelle jahrelanger Planung entsteht ein System, das innerhalb weniger Monate Mehrwert liefert – messbar in kürzeren Kommissionierzeiten, geringeren Fehlerquoten und einer höheren Prozessstabilität.
Denn am Ende geht es nicht um die Technik allein, sondern um die Transformation der Prozesse. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Partnern können Unternehmen innerhalb weniger Monate vom Konzept zur produktiven Anlage gelangen – und damit den entscheidenden Schritt in eine zukunftsfähige Logistik machen.

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