Den Kurs in Richtung Cloud stellen: So gelingt die SAP BW-Modernisierung
5. Februar 2026 | Lesezeit: 9 Minuten

Consultant Business Intelligence bei FIS
SAP stellt die Weichen klar in Richtung Cloud – auch beim Reporting. Was bedeutet das für die Unterstützung bestehender BW-Systeme und künftiger Releases? Im Blog-Beitrag erhalten Sie einen Überblick über mögliche Modernisierungsstrategien von SAP Datasphere bis SAP BW Private Cloud Edition und erfahren, wie der Umstieg ohne Zeitdruck und mit wenig Aufwand gelingen kann.

Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass wir in einem anderen Blogbeitrag auf das reguläre Wartungsende des dienstältesten Reporting-Flaggschiffs, SAP Business Warehouse 7.50 im Jahr 2027 hingewiesen haben.
Die möglichen Wege der Modernisierung waren damals noch von Unsicherheiten geprägt – insbesondere mit Blick auf Aufgaben bei Datenmigration, Betriebsmodellen und der zukünftigen Rolle bestehender BW-Architekturen. Genau diese Punkte beschäftigen viele Unternehmen bis heute und erfordern ein hohes Maß an strategischer Offenheit gegenüber neuen Plattform- und Betriebsmodellen.
Mittlerweile wissen wir, dass SAP ihre Roadmap volle Fahrt Richtung Cloud gestellt hat und dem auch der Bereich Reporting folgen soll. Für Unternehmen bedeutet das: Reporting- und Analytics-Landschaften, die über Jahre stabil gewachsen sind, stehen vor der Frage: Ablösen, transformieren oder modernisieren?
Die Antwort darauf erfordert eine klare strategische Einordnung und einen sauberen Bezug zur übergeordneten IT- und Unternehmensstrategie. Denn handeln Unternehmen nicht, drohen einerseits Risiken wie fehlende Upgrades, steigende Betriebskosten, sinkende Innovationskraft sowie Probleme bei Cloud-Umstellung, KI-Einsatz und Datenverfügbarkeit auf der anderen Seite.
Eine Modernisierung ist damit nicht nur IT-Thema, sondern entscheidende Grundlage für eine datengetriebene Ausrichtung der Geschäftsmodelle und ein zentraler Erfolgsfaktor im digitalen Wettbewerb.
Die Herausforderung: Viele Wege führen zum Ziel
Im Frühjahr 2025 stellte SAP die neue SAP Business Data Cloud (BDC) vor. Das Ziel? Reporting, Analytics, Data Engineering und KI künftig auf einer cloudbasierten Datenplattform zusammenführen.
Diese einheitliche Datenplattform für modernes Data Warehousing, besteht aus den bekannten Komponenten, der Data Warehouse Lösung SAP Datasphere und der SAP Analytics Cloud (SAC). Sie enthält aber auch neue Tools, wie Intelligente Apps, SAP Databricks und – zumindest bis 2030 – eine SAP BW Private Cloud Edition (BW PCE).
FIS-Wissen
Die BW-Modernisierung ist unausweichlich. Mit der BW PCE-Komponente – also der Wechsel des Systems ins SAP-Hosting – wird ein neuer, verzögerter Umstieg ermöglicht. Dieser bietet drei Vorteile:
Die drei Optionen der BW-Modernisierung
Folgendes Schaubild erläutert die möglichen Migrationspfade zur künftigen Systemlandschaft:

Variante 1: Greenfield-Ansatz mit der SAP Datasphere innerhalb der SAP Business Data Cloud
Den vollen Nutzen der SAP Business Data Cloud erreicht man dann, wenn das SAP S/4HANA-System ebenfalls in der Cloud steht, das heißt SAP Cloud ERP oder SAP Cloud ERP Private. Dann lässt sich die neue Datenmodellierung Object-Store angepasst vornehmen, analog den SAP-Datenprodukten, auf welchen die Intelligent Applications (wie Working Capital oder People Intelligence, und künftig weitere) basieren.
In diesem Ansatz kann man eine gegebenenfalls bestehende SAC in die neue Formation bestehend aus SAP S/4HANA-System und SAP Datasphere aufnehmen und hier dann auch Seamless Planning-Szenarien umsetzen.
In diesem Szenario wird häufig auf Virtualisierung gesetzt, um Daten aus verschiedenen Quellsystemen flexibel bereitzustellen. Klassische BW-Konzepte wie redundante Datenspeicherung in verschiedenen Layern werden dabei durch neue virtuelle Modellierungsansätze in der SAP Datasphere ersetzt.
Variante 2: Schrittweiser Umstieg über SAP BW Private Cloud Edition
Diese Variante ist der Schwerpunkt dieses Blog-Beitrags. Das heißt, das bisherige BW 7.50 On-Premises wird ins SAP-Hosting migriert. Technisch ist das vergleichbar mit einem Providerwechsel, bei dem das bestehende System erhalten bleibt und in eine neue Betriebsumgebung überführt wird.
Ein Argument ist, dass alle Stamm- und Bewegungsdaten, die bereits aus dem heutigen ERP oder SAP S/4HANA-System extrahiert werden, weiterhin auf dem gleichen Weg ins BW-System gelangen. Parallel dazu kann auf der SAP Datasphere die künftige Datenversorgung modelliert werden, sodass ohne Zeitdruck bis 2030 der Umstieg gelingt und das BW-System abgeschaltet werden kann.
Über den sogenannten BW Product Generator werden die BW-Bewegungsdaten zeitweise als „Datenprodukte“ in der SAP Datasphere bereitgestellt (für weitere Analysen oder Verknüpfungen) bis sie mittelfristig direkt aus dem Quellsystem in die SAP Datasphere geladen werden.
Variante 3: BW/4HANA Migration (On-Premises)
Bei der Entscheidung für diese Variante wird die Zukunftsfähigkeit des BW-Systems bis mindestens 2040 garantiert. Die Migration kann On-Premises erfolgen oder auch analog Variante 2 als PCE. Welche Voraussetzungen hierfür gegeben sein müssen, erfahren Sie gleich.
Entscheidungshilfe: Welche Variante passt zu meinem Unternehmen?
| Variante 1 | Variante 2 | Variante 3 | |
|---|---|---|---|
| Cloud-Strategie | Hoch | Mittel | Gering |
| Zeitdruck | Hoch | Gering | Mittel |
| Investitionsflexibilität | Mittel | Hoch | Mittel |
| Zukunftssicherheit | Sehr hoch | Mittel | Hoch |
| Innovationspotenzial | Sehr hoch | Hoch | Mittel |
Daten intelligent nutzen – für bessere Geschäftsentscheidungen
Inhalt des Whitepapers
Welche Voraussetzungen muss mein BW-System für die Private Cloud erfüllen?
Nachfolgendes Schaubild erläutert verständlich die verschiedenen Wege, von welcher SAP BW Version aus, man welche Systemvoraussetzungen erfüllen muss, um in die Private Cloud der SAP migrieren zu können. Die eigentliche Aus- und Durchführung des Wechsels übernimmt die SAP. Die Vorbereitungsphase, um die Systemvoraussetzungen für den Transfer zu schaffen, obliegt dem einzelnen Kunden.
Beispiele notwendiger Anpassungen (Stand Ende 2025):

Was ist der BW Product Generator und was kann ich damit tun?
Der BW Product Generator ermöglicht es, bestehende BW-Daten temporär als Datenprodukte in der SAP Datasphere bereitzustellen.
Er kann nur auf einem System (BW 7.5 oder BW4) in der SAP Private Cloud aktiviert und genutzt werden. Aktiviert wird er mit Hinweis 3590400 und dann entweder in der SAP GUI (BW 7.5) oder im BW/4HANA Cockpit aufgerufen, um mit der entsprechenden SAP Datasphere der BDC-Formation verbunden zu werden.
FIS-Wissen
Ein BW-Datenprodukt kann so inhaltlich als ein BW-Provider (aDSO, Infoobject, Infocube) verstanden werden, dessen Daten beispielsweise Bewegungsdaten, samt der zugehörigen Stammdaten in eine flache Datei (Spalten & Zeilen) geschrieben und via sogenannter Subscription in SAP Datasphere-Tabellen übertragen werden. Auf dieser Tabelle kann man mit Views und analytischen Modellen modellieren oder die Daten in SAP Databricks bereitstellen.

Die Datenprodukte sind auch Delta-fähig und es ist genauso möglich, alle Stammdaten-Tabellen (Attribute und Texte) als eigenständige Datenprodukte in die jeweiligen Ziel-Tabellen zu übertragen, wie es in den SAP-managed Datenprodukten der Fall ist. So lässt sich in der SAP Datasphere ein Fakt View mit all seinen Stammdaten assoziieren und im analytischen Model auswerten.
Eine große Einschränkung gibt es derzeit noch bei Hierarchien, da diese manuell auf die Logik der SAP Datasphere-Hierarchien übernommen werden müssen. Eine verbesserte Funktionalität hierfür steht allerdings noch aus.
Das mittelfristige Ziel sollte sein, alle BW-Datenprodukte durch Replikationen der originären Quelldaten aus dem SAP S/4HANA System zu ersetzen und die heutige BW-Transformation in der SAP Datasphere neu aufzubauen.
Fazit
Mit den von SAP im Jahr 2025 bereitgestellten, neuen Möglichkeiten ergeben sich weitere Faktoren, die BW-Modernisierung voranzutreiben. Nichtsdestotrotz liegt der Fokus ganz klar darauf, das BW-Release 7.5 bis spätestens 2030 durch die SAP Datasphere zu ersetzen, oder den Migrationspfad in Richtung SAP BW/4HANA zu wählen. Die BW-Datenprodukte bieten hier zusätzlich Anreize sind aber dennoch nur als Übergangslösung zu sehen.
Nach der Realisierungsphase harmonisiert die BDC SAP- und Nicht-SAP-Daten zu einer vertrauenswürdigen semantischen Schicht, reduziert durch Echtzeit-Replikation die Datenvorbereitungszeit und schafft eine sichere Basis für Data Analytics, Insights und KI-Anwendungen. So gewinnt Ihr Unternehmen Effizienz und Zeit für strategische Themen.
Wenn der Blog-Beitrag Ihr Interesse geweckt hat, zögern Sie nicht einen Termin mit uns zu vereinbaren und gemeinsam den Plan für eine BW-Modernisierung für Ihr Unternehmen zu erarbeiten.

Fragen zu diesem Thema? Unser Team hilft Ihnen gerne persönlich weiter.

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