Eigenständige Kommissionierung in Abholmärkten in SAP mit FIS/FreestylePicking
FIS/FreestylePicking ermöglicht Abholmärkten, das klassische Thekengeschäft zu entlasten, indem Kunden ihre Waren eigenständig kommissionieren. Der Artikel beschreibt, wie der digitale Self-Service-Prozess funktioniert, welche Rollen mobile Geräte und SAP-Integrationen dabei spielen und welchen praktischen Nutzen dieser Ansatz für Logistik, Mitarbeiter und Kunden bietet.

Produktmanagerin bei FIS
Was ist FIS/FreestylePicking?
FIS/FreestylePicking ist eine Lösung für Abholmärkte, mit der Kunden ihre Waren eigenständig kommissionieren können. Anstatt wie im klassischen Thekengeschäft auf einen Mitarbeiter zu warten, übernimmt die Durchführung des Kommissionierprozesses der Kunde selbst. So können Unternehmen das Prinzip „Pick-Your-Own“ einführen – vergleichbar mit modernen Self-Service-Konzepten im Einzelhandel – um Effizienzsteigerungen zu erzielen. Die Lösung basiert auf der SAP Business Technology Platform.
Im technischen Großhandel und Branchen mit Abholmärkten ist es üblich, dass Kunden am Verkaufstresen ihre Bestellung aufgeben und ein Mitarbeiter die Ware aus dem Lager holt („Theken-Geschäft“). Dies kann zu Wartezeiten und Personalbelastung führen, besonders bei Fachkräftemangel.
FIS/FreestylePicking adressiert dieses Problem, indem es den Kunden als Kommissionierer einbindet: Der Kunde wählt seine Artikel aus, scannt sie ab und legt sie in seinen Warenkorb, während das System im Hintergrund alle notwendigen SAP-Prozesse ausführt. Das Ergebnis ist eine schnellere Auftragsabwicklung ohne Qualitätseinbußen, da FIS/FreestylePicking sicherstellt, dass alle Buchungen und Folgebelege in SAP automatisch und korrekt angestoßen werden.
Von Engpässen zu Ergebnissen: Praktische Supply-Chain-Optimierung
Inhalt des E-Books
Wie funktioniert FIS/FreestylePicking?
Auf einen Klick: FIS/FreestylePicking
Die Funktionsweise von FIS/FreestylePicking lässt sich in mehreren Schritten darstellen:
1. Kundenregistrierung
Ein Mitarbeiter des Abholmarktes, Lagers oder Großhandels legt den Kunden einmalig im System an und erstellt eine Kundenkarte mit QR-Code über eine Administrations-App. Diese Karte dient zur Authentifizierung. Alternativ kann der QR-Code auch auf dem Smartphone des Kunden gespeichert werden.
2. Authentifizierung
Bei jedem Besuch identifiziert sich der Kunde mit seinem persönlichen QR-Code. Dadurch weiß das System, welcher Kunde gerade kommissioniert, und es können Preise, Kundendaten und ggf. Rabatte in Echtzeit angezeigt werden.
3. Artikel scannen
Der Kunde erhält ein bereit gestelltes mobiles Erfassungsgerät – etwa einen Handscanner oder ein Tablet – vom Abholmarkt. Damit scannt er die gewünschten Produkte durch Einscannen des EAN-/Barcodes. Für jedes gescannte Produkt gibt der Kunde die Menge ein, die er entnehmen möchte. Jeder Artikel landet dadurch in seinem digitalen Warenkorb innerhalb der App.
4. Artikel entnehmen
Der Kunde nimmt die gescannten Artikel physisch aus dem Lagerort und legt sie beispielsweise in einen Einkaufswagen oder auf einen Transportwagen. Durch die digitale Führung weiß der Kunde genau, welche Artikel in welcher Menge zu entnehmen sind – vergleichbar mit einer elektronischen Kommissionierliste, jedoch interaktiv auf dem Gerät.
5. Abschluss des Picks
Hat der Kunde alle gewünschten Artikel kommissioniert, schließt er den digitalen Warenkorb in der App ab. Dabei wird automatisch ein Kundenauftrag im SAP-ERP-System erstellt. Alle relevanten Daten wie Artikel, Mengen, Preise, Kunde etc. fließen direkt und ohne manuelle Dateneingabe ins SAP-System.
6. Prüfung & Bestätigung
Ein Theken-Mitarbeiter überprüft die vom Kunden gepickten Waren, die dieser zur Kasse bringt, anhand des erstellten Auftrags. Die physische Ware wird mit diesem abgeglichen, um Fehler auszuschließen. Anschließend wird der Auftrag freigegeben und beispielsweise der Lieferschein erzeugt. Alternativ kann dieser Schritt auch entfallen: Der Kunde bestätigt dann seinen Einkauf selbst durch eine digitale Unterschrift auf dem mobilen Gerät, sodass kein direkter Kontakt mit dem Personal nötig ist. Wenn in der App Kauf auf Lieferschein voreingestellt ist, muss der Kunde nicht vor Ort bezahlen.
7. Weitere Folgeschritte
Sobald bestätigt, löst das System automatisch Folgeaktivitäten aus. Dazu gehören etwa die Buchung des Warenausgangs oder die Erstellung der Rechnung. Alle Lagerbewegungen – vom Lagerplatzabzug bis zur Quittierung – werden im Hintergrund gebucht, ohne dass manuelle Schritte in SAP notwendig sind. Bei Nutzung von SAP EWM erfolgt auch direkt die lagerplatzgenaue Bestandsbuchung in Echtzeit.
8. Flexibles Checkout-Konzept
FIS/FreestylePicking ist flexibel einsetzbar. Neben der beschriebenen MDE-Nutzung kann das Konzept auch mit stationären Self-Checkout-Kassen umgesetzt werden. In diesem Szenario sammelt der Kunde zwar physisch die Ware in den Wagen, scannt aber erst am Ende seines Einkaufs alle Artikel selbst an einer festen Kasse. Die Anbindung an SAP bleibt gleich – zum Abschluss wird wiederum ein Kundenauftrag mit allen Positionen erzeugt, der weitere Prozesse auslöst.
Welche Vorteile bietet FIS/FreestylePicking?
FIS/FreestylePicking bietet eine Reihe von Vorteilen:
Theken- und Lagermitarbeiter werden vom Kommissionieren der Lageraufträge entbunden, da der Kunde diese Aufgabe selbst übernimmt. So können sie sich auf die Beratung oder andere wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren.
Kunden müssen nicht mehr warten, bis ein Mitarbeiter ihre Bestellung aus dem Lager holt. Die Bearbeitung erfolgt sofort durch den Kunden selbst, was die Kundenzufriedenheit erhöht.
Die Lösung ist einfach und intuitiv. Die Anlage neuer Kunden im System durch das Personal ist unkompliziert, und auch die App für den Kunden ist übersichtlich gestaltet. Informationen zu Artikeln, Lagerplätze, Preise und Mengen sind klar angegeben, sodass auch ungeübte Nutzer zurechtkommen.
Jeder Scan und jede Entnahme wird in der App und im Hintergrundsystem erfasst. Dadurch entsteht Transparenz über die entnommenen Artikel und Bestände. Der Kunde sieht sofort alle relevanten Informationen zu den Produkten wie Beschreibung, Preis, Verfügbarkeit etc. und erhält dadurch in Echtzeit einen Überblick über die laufenden Kommissionieraufträge.
Durch eine zweistufige Authentifizierung – der Kombination aus persönlichem QR-Code und PIN-Eingabe – wird sichergestellt, dass nur berechtigte Personen kommissionieren. Zudem erfolgt am Ende ein Abgleich oder eine Unterschrift, um Diebstahl oder Irrtümer zu vermeiden.
Die Kommissionierung per mobilem Endgerät mit einer modernen Fiori-Oberfläche ist deutlich ergonomischer als Papierlisten. Große Schaltflächen, klare Dialoge und Scanner-Unterstützung reduzieren Eingabefehler. Die Lösung ist im responsiven UI5-Design entwickelt, sodass sie auf unterschiedlichen Geräten lauffähig ist.
Nach Abschluss des Einkaufs übernimmt SAP alle weiteren Schritte automatisch. Von der Lieferschein-Erstellung über die Warenausgangsbuchung bis hin zur Rechnung und dem Versand werden die Prozesse digital angestoßen. Das reduziert manuelle Aufwände und Fehler in der Auftragsverarbeitung.
FIS/FreestylePicking lässt sich flexibel an verschiedene Geschäftsprozesse anpassen. Sei es im B2B-Abhollager, im Ersatzteillager eines Herstellers oder in anderen Szenarien. So gelingt es, schrittweise in das digitale Self-Picking einsteigen, ohne die gesamte Systemlandschaft austauschen zu müssen.
Zusammengefasst verbessert FIS/FreestylePicking die Produktivität im Lager, reduziert Durchlaufzeiten bei Kundenaufträgen und minimiert Fehler durch direkte Verbuchung aller Schritte im SAP-System. Das bedeutet nicht nur einen Effizienzgewinn, sondern auch einen modernen Kundenservice, der sich vom Wettbewerb abhebt.
Wie verbessern mobile Lösungen den Kommissionierprozess?
Mobile Datenerfassung und digitale Prozesse haben die Kommissionierung in den letzten Jahren in der Praxis stark revolutioniert. Statt Papier und späterer manueller Nachbuchung nutzen moderne Lager mobile Endgeräte und Apps, um den gesamten Prozess in Echtzeit abzubilden. Dies bietet u.a. folgende Vorteile:
Nach Abschluss des Kommissionierauftrages kann dieser sofort im System verbucht werden. Dadurch entspricht der Systembestand jederzeit der Realität, und nachgelagerte Folgeprozesse (z.B. Warenausgang oder Nachschub) können ohne Verzögerung angestoßen werden. Fehlerhafte oder vergessene Buchungen werden minimiert, da der Mitarbeiter den Vorgang direkt vor Ort bestätigt.
Mobile Lösungen wie Pick-by-Scan oder Pick-by-Voice reduzieren Fehleingaben drastisch. Ein Barcode-Scan ist weniger fehleranfällig als das Abhaken auf Papier und anschließende manuelle Eingeben am PC. Auch Verwechslungen werden reduziert, da das System sofort warnt, wenn z.B. ein falscher Barcode gescannt wurde.
Durch papierlose Kommissionierung sparen Lagermitarbeiter Zeit. Sie müssen nicht mit Zetteln hantieren oder zur Dateneingabe an einen Terminal zurückkehren. Stattdessen erhalten sie alle Informationen auf einem Handheld oder Headset und können den Auftrag zügig in einem Durchgang abarbeiten. Mobile Geräte können zudem optimale Wegeführung anbieten oder priorisiert die nächsten Aufgaben anzeigen, was die Abarbeitung beschleunigt.
Eine gute mobile Software erlaubt es, Auftragslisten nach Auswahl bestimmter Parameter zuzuteilen. So kann das System z.B. automatisch Aufträge nach Priorität an die nächsten verfügbaren Lageristen verteilen. In SAP EWM lassen sich solche Regeln im Customizing definieren – mobile Endgeräte greifen diese dann auf und präsentieren stets eine sinnvolle Reihenfolge der Jobs. Das verhindert Leerlauf und stellt sicher, dass dringende Auslieferungen zuerst gepickt werden.
Gibt es einen Vergleich einer papierhaften vs. mobilen Kommissionierung?
Folgende Positionen lassen sich im Gegensatz der papierhaften zur digitalen Kommissionierung vergleichen:
|
Aspekt |
Papierbasierte Kommissionierung |
Mobile digitale Kommissionierung |
|---|---|---|
|
Art der Datenübertragung |
Manuell (später im System nachpflegen) |
Automatisch in Echtzeit ins System |
|
Fehleranfälligkeit |
Hoch (Lesefehler, Tippfehler) |
Gering (Barcode-Scan, Systemvalidierung) |
|
Prozessgeschwindigkeit |
Langsamer (mehrfache Medienbrüche) |
Schneller (direkte Abarbeitung) |
|
Transparenz & Überblick |
Gering (Papier muss erst zurückgemeldet werden) |
Hoch (Live-Status verfolgbar) |
Fazit
FIS/FreestylePicking ist ein gutes Beispiel, das zeigt, wie Abholmärkte mit einfachen Möglichkeiten einen spürbaren Digitalisierungsschritt hinsichtlich ihrer Lageraktivitäten gehen können: Kunden übernehmen die Kommissionierung selbst – und SAP sorgt im Hintergrund dafür, dass alle Folgeprozesse sauber, vollständig und ohne Mehraufwand durchlaufen. Dadurch werden Personalengpässe abgefedert, Durchlaufzeiten verkürzt und eine moderne Form des Thekengeschäfts ermöglicht. Wer ein Abhollager effizienter und kundenfreundlicher gestalten möchte, findet in FIS/FreestylePicking einen Ansatz, der sich ohne komplexe Umbauten in bestehende SAP-Logistikprozesse integrieren lässt.
Lösungen wie FIS/FreestylePicking zeigen darüber hinaus, wie sich moderne Technologien nutzen lassen, um neue Ansätze in der Kommissionierung zu verfolgen: Kunden werden eingebunden, Wartezeiten entfallen, und alle Vorgänge sind digital integriert.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
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