Lösungen für den modernen Baustoffhandel – 4 Praxisbeispiele

Die Baubranche, insbesondere der Handel mit Baustoffen, sieht die Notwendigkeit zur Digitalisierung ihrer Prozesse immer stärker. Der aktuell boomende Bausektor steht vor der großen Herausforderung, die hohe Nachfrage nach Baustoffen zeitnah und in der gewohnten Qualität zu bedienen. Erfahren Sie, wie dies gelingen kann.

Eine moderne IT-Infrastruktur sollte lückenlos unterstützen, um Arbeitsabläufe weitestgehend zu automatisieren. Der Fokus muss heutzutage mehr auf der Kundenberatung und dem -service liegen.

Denn nur ein zufriedener Kunde kauft auch noch ein weiteres Mal beim gleichen Händler ein. Vielfältige Lösungen aus der Warenwirtschaft unterstützen den Anwender dabei, dies zu erreichen.

Neben bereits behandelter Beratungslösungen – wie strukturierte Objekt- und Projektverwaltung in SAP, automatisierte Arbeit mit Leistungsverzeichnissen dank GAEB-Schnittstelle und vereinfachtes Bestellwesen mit Vendor Managed Inventory (VMI) –, gibt es noch weitere Funktionen, die Baustoffhändler bei der täglichen Arbeit im ERP-System unterstützen. Auf diese gehen wir im Weiteren mit vier Praxisbeispielen genauer ein.

Der Mengeneinheitenrechner

Ein Verkäufer hat in der täglichen Praxis mit unterschiedlichen Anfragen von Kunden zu tun. Häufig geht es um Preis- oder Bestandsanfragen, die es schnell zu beantworten gilt. Es kommt vor, dass der Kunde mit seinen gewohnten Mengeneinheiten anfragt, die aber – je nach Material – nicht der tatsächlichen Verkaufs- beziehungsweise Bestellmengeneinheit entsprechen.

Hierfür kann der Anwender den Mengeneinheitenrechner nutzen. Zwischen den Dimensionen des Materials kann leicht gewechselt und somit, ohne zusätzliches Aufrufen des Materialstamms, die Wunschmenge des Kunden in die Verkaufsmengeneinheit des Händlers umgerechnet werden.

Abb.: Visuelle Darstellung des Mengeneinheitenrechners

Das Leergut-Cockpit

Im Baustoffumfeld ist es üblich, die Güter unter anderem auf Paletten zum Kunden zu liefern. Das Leergut-Cockpit dient als Monitor und überwacht die in Rechnung gestellten Paletten (Leihgüter) des Kunden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Retouren der jeweiligen Leihgüter – im Falle eines Rücktransports an den Händler beziehungsweise dem Tausch der Paletten bei der Auslieferung – sofort anzustoßen. Die Funktion bietet auch eine Übersicht der Vorgängerbelege, in denen die Leihgüter beauftragt beziehungsweise beliefert wurden.

Abb.: Visuelle Darstellung des Leergut-Cockpits

Die Chargenübersicht im Auftrag

Flächenware wie Fliesen oder Platten werden normalerweise chargengeführt. Kommt es zum Beispiel zu einer Nachbestellung bei einem Kunden, ist es besonders wichtig, die richtige Charge nochmals zu beauftragen. Sonst kann es zu Abweichungen bei der Farbe beziehungsweise Oberfläche kommen. Der Anwender muss also zu einem bestimmten Material nach der passenden Charge suchen.

Hierbei ist es hilfreich, die Übersicht des Chargenbestands bereits im Auftrag zu sehen. Diese ist zur jeweiligen Position aufrufbar und zeigt alle Chargen mit der dazugehörigen ATP (Available-to-promise) an. Der Anwender kann somit sehr komfortabel den notwendigen Bestand mit der richtigen Charge selektieren und diesen in die Position übernehmen.

Abb.: Visuelle Darstellung der Chargenübersicht im Auftrag

Erfassung der Baustelle (Anlegen Warenempfänger) direkt aus dem Verkaufsbeleg heraus

Eine Änderung der Anlieferadresse während der Auftragserfassung ist ein häufig vorkommender Prozess im Vertrieb. In diesem Fall ist die Adresse nur für den Vertriebsbeleg gültig. Sollte es aber der Wunsch sein, die neue Anlieferadresse dauerhaft als Stammsatz zu hinterlegen, unterstützt die Funktion „Anlegen Warenempfänger“ direkt aus der Auftragsanlage heraus.

Diese Vorgehensweise ist beispielsweise relevant, wenn eine neue Baustelle des Kunden ab sofort regelmäßig beliefert werden muss. Der neue Warenempfänger-Stammsatz wird hierbei im Kundenstamm gespeichert. Der Vorteil dabei ist, dass der Anwender die Adresse in einem separaten Fenster pflegen kann, anstatt die Auftragsanlage zu verlassen.

Abb.: Visuelle Darstellung zur Erfassung einer Baustelle direkt aus dem Verkaufsbeleg heraus

Fazit

Die hier kurz vorgestellten Funktionen können den Anwender eines Baustoffhändlers dabei unterstützen, die täglich anfallenden Aufgaben im Verkaufsprozess mithilfe des ERP-Systems zu beschleunigen. Damit wird die Chance gewahrt, sich mehr um den Kunden selbst zu kümmern – also den Beratungs- und Servicegedanken in den Vordergrund zu stellen.

Die Warenwirtschaftslösung verschafft den Anwendern die notwendige Zeit, um ihre Kunden im Gespräch von einer nachhaltigen Zusammenarbeit zu überzeugen. Damit bekommt er bestenfalls viele Informationen über die Aussicht auf mögliche Folgegeschäfte. Denn wie schon anfangs erwähnt, nur ein zufriedener Kunde kauft gerne wieder.