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Digitalisierung Markt & Trends

Wie Digitalisierung den Schienengüterverkehr wieder attraktiv macht

Der Güterverkehr in Deutschland entwickelt sich prächtig und das Transportaufkommen wächst seit den letzten vier Jahren ununterbrochen. Im Jahr 2016 konnte der Markt um 1,5% im Vergleich zum Vorjahr zunehmen und erreicht somit einen Wert von 4,6 Mrd. Tonnen. Ein Verkehrszweig hat jedoch seit Jahren stark zu kämpfen. 

Dieser kann an das erfolgreiche Wachstum des Gesamtgüterverkehrs nicht anschließen und hat im Jahr 2016 sogar einen Rückgang von 1,6% verbuchen müssen. Die Rede ist vom Schienengüterverkehr, der lediglich eine Tonnage von 361 Mio. Tonnen im Jahr transportiert. Ein Grund dafür ist, dass die Welle der Digitalisierung noch nicht in diesem Sektor angekommen ist. Viele Anbieter schrecken bis jetzt davor zurück, da die Abläufe komplex sind und die genutzte Infrastruktur wenig Spielraum zur Umsetzung lässt.

 

Der Bahnbetrieb hat sich in den letzten Jahren technisch kaum weiterentwickelt. Die Prozesse, die Erfassung und die Weitergabe von Daten finden größtenteils noch manuell statt. Daher entstehen dort auch die ersten Schwierigkeiten bei der Einführung von neuen und digitalen Technologien. Um wirksame Veränderungen, wie sie beispielsweise schon im Straßengüterverkehr zu sehen sind, zu erreichen, muss zunächst ein gewaltiger Sprung durch neue Technik gewagt werden. Dies bringt hohe Investitionen für Anbieter mit sich und spiegelt sich letztendlich nicht immer im eigenen Nutzenvorteil wider.

 

 

Optimierungspotenziale durch Digitalisierung

 

Der erste Schritt in Richtung Digitalisierung ist der Einsatz von Aktorik und Sensorik. Dabei findet keine Veränderung des eigentlichen Transportvorganges statt, sondern eine unmittelbare und automatisierte Mitteilung von Zugprüfungen, Bremsproben und Reaktionen auf Statusmeldungen einzelner Messstellen. Der gewonnene Zusatznutzen zahlt sich durch verbesserte Laufleistungen, verringerte Wartungsarbeiten und das frühzeitige Erkennen von Problemen aus. Mit aktivem Tracking und Tracing von Lade- oder Zugmitteln ist die Position des Transportes stets in Echtzeit verfolgbar. Durch die gewonnene Transparenz erlangt nicht nur der Kunde einen Überblick über den Standort seiner Ware, sondern auch das Transportunternehmen erkennt, ob gegebenenfalls aufgrund von Verzögerungen oder Ausfällen eingegriffen und nachfolgende Prozesse frühzeitig angepasst werden müssen. Dadurch ist unter anderem eine bessere Planung mit höherer Auslastung der Transportmittel möglich.

 

Um die aufgeführten Punkte attraktiv umsetzen zu können, ist eine Integration mehrerer Faktoren nötig. Die gewonnenen Daten können so über integrierte Systemlandschaften von verschiedensten Akteuren nach Bedarf abgerufen werden. Eine Möglichkeit stellt die Integration einer cloudbasierten Anwendung dar. Hier können Daten und Informationen in Echtzeit und mobil, beispielsweise direkt am Bahnterminal, von den zuständigen Mitarbeitern abgerufen und ausgewertet werden. Durch die Integration verschiedener Transportarten können sich ebenfalls neue Synergien ergeben, wie dies beispielsweise im kombinierten Verkehr stattfindet. Mit Hilfe der eingesetzten Technik wird die komplette Transportkette über Vor-, Haupt- und Nachlauf für alle Beteiligten transparenter, da jeder individuell Informationen über Transportmittel und Ware nutzen kann. Die Prozess- und Servicequalität wird durch eine Bündelung der Konzepte aus Straßen- und Bahnverkehr erhöht. Letztendlich erreichen alle betroffenen Parteien einen höheren Automatisierungsgrad, da aufgrund der überwachten Abläufe schneller reagiert und rechtzeitig Kapazitäten bereitgestellt werden können.

Felix Neugebauer

In meinen Beiträgen berichte ich über meine Erfahrungen aus der FIS-iLog, sowie über aktuelle Themen und Trends aus dem Bereich der Transportlogistik. Insbesondere über Veränderungen durch die zunehmende Digitalisierung und wachsende Zusammenarbeit von logistischen Netzwerken, die Logistiker vor neue Herausforderungen stellen.

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