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Greenfield vs. Brownfield – Was ist der richtige Weg nach SAP S/4HANA?

,Lesezeit ca. 5 Minuten

Beim System-Wechsel von SAP ECC nach SAP S/4HANA gibt es grundsätzlich zwei Ansätze: Neu-Implementierung (Greenfield) oder System Conversion (Brownfield). Dabei gibt es kein pauschales Richtig oder Falsch. Der folgende Beitrag gibt Tipps, die bei der Entscheidung für den passenden Ansatz unterstützen.

Die verlängerte Wartungsfrist für SAP ECC bis 2027 lässt viele SAP-Anwender aufatmen. Ihnen bleibt damit mehr Zeit für den System-Umstieg nach S/4HANA: für die inhaltliche Vorbereitung, Prüfung und Weiterentwicklung der eigenen Geschäftsmodelle und Prozesse, mehr Zeit, die eigene Strategie zu definieren. Auch die Wechsel-Strategie muss im Vorfeld gut durchdacht und individuell bewertet werden. Für den Umstieg auf SAP S/4HANA gibt es grundsätzlich zwei Wege die bestehenden SAP-Systeme umzustellen:

 

  • Brownfield: Schrittweise Migration der bestehenden SAP-Systeme
  • Greenfield: Komplette Neuimplementierung der bestehenden SAP-Systeme

 

Bei der Wahl zwischen diesen beiden Ansätzen existiert keine für alle Ausgangsszenarien eindeutige Lösung. Die Entscheidung für einen der beiden Ansätze basiert maßgeblich auf den folgenden beiden Fragen: Was ist der Status quo und was sind die zukünftigen Anforderungen? Der folgende Beitrag gibt eine erste Indikation, welcher Ansatz unter welchen Voraussetzungen besser geeignet ist. Für eine exakte Bewertung und Entscheidungsfindung bedarf es immer einer ausführlicheren Analyse.

Brownfield – Schrittweise Migration der bestehenden Systeme

Der Brownfield-Ansatz beschreibt die sukzessive Migration von einem oder mehreren SAP-Systemen auf SAP S/4HANA, beispielsweise mit Zwischenschritten in die Umgebungen der SAP Business Suite on HANA oder SAP S/4HANA Finance. Das existierende Know-how, wie beispielsweise Individual-Entwicklungen, wird in das neue SAP S/4HANA-System übernommen.

 

Die Transition mittels Brownfield-Ansatz kann in einem einzigen oder aber in zwei Schritten durchgeführt werden, abhängig von den individuellen Voraussetzungen des Unternehmens. Bei der schrittweisen Migration wird im ersten Schritt mittels technischer Migration ein Umstieg vom klassischen SAP ERP mit einer beliebigen Datenbank auf die SAP Business Suite on HANA durchgeführt, welche die HANA-Datenbanktechnologie einführt. Prozesse, Anwendungen und Daten werden übernommen. Anschließend wird in einem zweiten Schritt mithilfe einer transformatorischen Migration auf die Landschaft von SAP S/4HANA umgestellt. Prozesse und Daten werden hier ebenfalls portiert und um simplifizierte spezifische Anwendungen aus den Geschäftsbereichen Finanzen, Controlling, Logistik, etc. ergänzt.

 

Die Transformation der SAP-Systemlandschaft mittels Brownfield-Ansatz ist häufig dann ratsam,

 

  • wenn der Custom Code und daraus resultierende Individualisierungen im System, ob für externe Kunden oder für interne Nutzer, beibehalten werden sollen.
  • wenn die vorhandenen Geschäftsprozesse den aktuellen Anforderungen entsprechen.
  • wenn die Transition möglichst schnell durchgeführt werden soll oder muss.
  • wenn im aktuellen Quellsystem mindestens SAP ECC 6.0 im Einsatz ist und zugleich der UNICODE sowie SAP Business Partner verwendet wird.

Greenfield – Komplette Neuimplementierung der Systeme

Der Greenfield-Ansatz beschreibt die vollständige Neuimplementierung von einem oder mehreren SAP-Systemen. Die Systeme bzw. Prozesse werden bei diesem Ansatz vollständig neu konfiguriert, das Unternehmen fängt auf der „grünen Wiese“ neu an. Geschäftsdaten der bestehenden Systeme, wie beispielsweise Stamm- und Bewegungsdaten, werden selbstverständlich übernommen und in das neue System transformiert. „Alter Ballast“ wie historische Daten wird archiviert, jedoch nicht nach SAP S/4HANA portiert, was sich positiv auf das zu migrierende Datenvolumen und somit auf die Betriebskosten auswirkt.

 

Die komplette Neuimplementierung der SAP-Systeme mittels Greenfield-Ansatz ist dann ratsam,

 

  • wenn das Unternehmen noch kein SAP nutzt.
  • wenn das Unternehmen ohnehin große Veränderungen plant, beispielsweise, wenn bestehende Systeme und Prozesse zu einem neuen, konsistenten System zusammengeführt oder grundlegend neugestaltet werden sollen.
  • wenn es Einschränkungen in den Systemanforderungen nicht zulassen, die Transition in einer One-Step-Prozedur durchzuführen.
  • wenn das aktuelle Release älter ist als SAP ECC 6.0, weder UNICODE noch der SAP Business Partner oder das neue Bilanzierungs-Hauptbuch von SAP (FI-GL) verwendet werden und dadurch mehrere aufwendige Vorprojekte nötig wären.

Fazit: Nicht nur Technik-Update, sondern Prozess-Update

Der bevorstehende Umstieg ist der beste Zeitpunkt, die geschäftsinternen Prozesse zu hinterfragen und gegebenenfalls zu optimieren. Eine gelungene Transition beginnt bei der ausführlichen Planung im Vorfeld: Von der strategischen Entscheidung zwischen Greenfield- und Brownfield-Ansatz bis hin zur Planung und Vorbereitung und schließlich zur Realisierung des Umstiegs auf das zukunftsweisende System SAP S/4HANA. Festzuhalten bleibt, dass es hier nicht den einen richtigen Weg gibt, der für jeden gleichermaßen erfolgsversprechend ist. Daher ist es sinnvoll, die eigene Situation gemeinsam in einem Assessment Center oder Workshop zu bewerten und so die ideale Vorgehensweise zu finden.

Fabienne Meininger

Ich berichte in meinen Beiträgen über aktuelle Themen und Trends aus den Bereichen IT und Marketing. Als Mitarbeiterin im Strategischen Produktmarketing von FIS bilden wir die Schnittstelle zwischen Fachabteilungen, Vertrieb und dem Produktmanagement. Somit sind wir nahe am Marktgeschehen und den mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen für Unternehmen.

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