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Auf Achse – Maler Schlau profitiert vom mobilen Lager

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Jeder kennt sie: Fahrzeuge, die auf ihren Touren zu festgelegten Zeiten an bestimmten Orten anzutreffen sind und auf recht schnelle und unkomplizierte Weise Waren verkaufen.

Jener Anspruch, relativ einfach und möglichst zeitsparend einen wiederkehrend anfallenden Warenbedarf zu decken, besteht ebenso im B2B-Bereich. Zum Beispiel zwischen Handwerksbetrieben und Großhändlern.

 

Könnte in diesem Zusammenhang also eine Art "mobiles Lager" dazu beitragen, den Materialfluss effizienter zu gestalten beziehungsweise sogar eine Lösung repräsentieren, Geschäftsbeziehungen generell auf eine neue Ebene zu heben?

 

 

 

Wie die Idee ins Rollen kam

Ausgangspunkt zur Entwicklung des mobilen Lagers war die Schilderung folgender Situation durch einen Kunden:

 

Nach diversen Abstimmungen und Tätigkeiten auf Baustellen muss Maler Farbenfroh (Inhaber eines Handwerksbetriebs) anschließend noch dafür sorgen, dass die in Kürze benötigten Materialen rechtzeitig am jeweiligen Projekt verfügbar sind. Meist beschafft er diese am Ende eines langen Arbeitstages über den rund um die Uhr verfügbaren Online-Shop seines Großhändlers. Somit geht möglichst wenig der wertvollen Arbeitszeit auf den Baustellen verloren. Dennoch hat Herr Farbenfroh beinahe täglich den unliebsamen zusätzlichen Zeitaufwand für Material-Bestellungen einzukalkulieren.

Ebenso für den (mit ihm in Geschäftsbeziehung stehenden) Großhändler gestaltet sich die Situation nicht optimal. Die Option des E-Commerce schmälert seine Gelegenheiten, persönlich mit Kunden in Kontakt zu treten, enorm. Sein Fachwissen als auch seine Beratungskompetenzen kann er nur noch selten über den Weg des direkten Kundengesprächs weitergeben.

 

Aus der geschilderten Problematik entstand die ausgehende Überlegung: Wie kann Maler Farbenfroh (beziehungsweise ein Handwerksbetrieb) spürbar entlastet (Reduzierung des Aufwands für die Materialbeschaffung) und gleichzeitig ein Großhändler hinsichtlich der Möglichkeiten zur direkten Kundenansprache unterstützt werden?

Entwicklung einer Lösung

Von der Fragestellung ausgehend kreierten mehrere Großhändler und Mitarbeiter aus Handwerksbetrieben im Rahmen eines Design-Thinking-Workshops die Idee eines mobilen Lagers.

 

Der Kern des Ganzen:

Analog zu den oben genannten Fahrzeugen wird eine Filiale des Großhändlers auf die Straße gebracht. Diese fährt in einem festgelegten Turnus bestimmte Kunden beziehungsweise Baustellen an, wodurch die Handwerker direkt vor Ort häufig benötigte Artikel einfach und zeitsparend beziehen sowie weitergehend auch kurzfristig auftretende Materialbedarfe decken können.

 

Neben den Handwerkern profitiert dabei ebenfalls der Großhändler. Im Rahmen des regelmäßigen Kontakts und der direkten Kommunikation mit seinen Kunden eröffnet sich ihm zum Beispiel die Möglichkeit, auf Artikel-Neuheiten hinzuweisen oder bereits im Vorfeld mit den Handwerkern abzustimmen, was an Material gegebenenfalls in Kürze auf Baustelle A oder B benötigt wird.

 

Unterstützt wird der gesamte Ablauf selbstverständlich auf digitalem Wege. Mittels speziell dafür entwickelter Apps soll ein weiterer Schritt in Richtung Zeitersparnis und Vereinfachung des mobilen Beschaffungs- beziehungsweise Verkaufsprozesses gegangen werden. Das Thema Auftragserfassung wurde bereits entwickelt und von Maler Schlau sowie dessen Großhändler getestet.

Nutzung des mobilen Lagers und Auftragserfassung

Sowohl für Maler Schlau als auch für den mobilen Großhändler gibt es eine App (im Hinblick auf die Auftragserfassung), die wiederum diverse Funktionalitäten offeriert.

 

Der Großhändler beziehungsweise sein Angestellter im Verkaufsfahrzeug kann per App (nach erfolgreicher Authentifizierung) Aufträge mit konkretem Kunden- oder Baustellen-Bezug erzeugen und auf diese Weise eine Order von Maler Schlau beziehungsweise dessen Mitarbeiter auf der Baustelle entgegennehmen.

 

Dabei kommt es SAP-seitig zur Anlage von Auftrag sowie Lieferschein, womit die entsprechenden Waren sofort mitgenommen werden können.

 

Da die mobile Filiale nicht das gesamte Waren-Portfolio des Großhändlers an Bord hat, besteht zudem die Option, auch nicht im Fahrzeug vorhandene Artikel über die App zu beziehen. Diese werden baldmöglichst entweder speziell zu einer Baustelle geliefert oder durch das mobile Lager auf der nächsten Tour zugestellt.

Wie kann andererseits Maler Schlau seine App nutzen? Sowohl für ihn als auch für seine Mitarbeiter ist die Authentifizierung via App zum mobilen Lager über einen Barcode vorgesehen, um im nächsten Schritt zum Beispiel Bestellungen vorzunehmen. Insbesondere wenn die mobile Filiale gerade einmal nicht vor Ort ist.

 

Für mehr Kontrolle und Sicherheit bei sämtlichen Aufträgen (die Maler Schlaus Handwerker auslösen), besteht die Möglichkeit, über eine Web-Anwendung individuelle Berechtigungsmodi einzustellen, die künftig bei deren App-Nutzung zum Tragen kommen.

 

Letztendlich sparen Maler Schlau und sein Großhändler im Rahmen der vorab dargestellten Praxisbeispiele wertvolle Zeit. Vor allem die folgenden, bereits verfügbaren, App-Funktionen liefern dazu einen wichtigen Beitrag:

 

  • Sichere Authentifizierung und damit Nutzung der App via Barcode-Scan
  • Zugriff auf den SAP-Kundenstamm und somit einfache Auswahl eines Kunden
  • Eindeutige Waren-Identifizierung per Scan des Artikel-Barcodes
  • Auftragserfassung unter Berücksichtigung des individuellen Preises der jeweiligen Kunden
  • Auswahl des Typs beim Bezahlvorgang
  • Lieferschein-Erzeugung

 

Doch neben den genannten Anwendungsmöglichkeiten sind schon weitere spannende Funktionen in Planung. Zum Beispiel eine App-basierte Touren-Planung inklusive Ortungsfunktion (für eine schnellere und flexiblere Reaktion auf kurzfristige Kundenanfragen) oder die Auswertung der Bestell-Historie, um eine effizientere Fahrzeug-Beladung und -Entladung durchführen zu können.

Fazit: Die Lösung liegt oft schon auf der Hand

Häufig ist es etwas bereits allseits Bekanntes, das durch Weiterentwicklung beziehungsweise durch die Kombination mit neuen Technologien den zielführenden Weg weist. Die mobile Großhandelsfiliale, ergänzt um speziell dafür entwickelte mobile Anwendungen, sind daher als erste Schritte zum finalen Konstrukt des mobilen Lagers zu sehen.

 

Im Hinblick auf die zu Beginn gestellte Frage lässt sich daher sagen: Das mobile Lager repräsentiert eine effiziente Methode, Geschäftspartner (durch eine Optimierung des Materialflusses) organisatorisch sowie zeitlich spürbar zu entlasten. Maler Schlau nutzt sie bereits.

Melanie Weißmüller

Als Assistenz zur Leitung der Business Unit SAP, Technischer Großhandel und Industrie, wirke ich bei der Bearbeitung und Steuerung unterschiedlichster Prozesse mit und unterstütze beim Informationsaustausch zwischen den Fachabteilungen und der Führungsebene. In meinen Beiträgen berichte ich über deren Sachverhalte sowie zu Neuigkeiten hinsichtlich des Produkt- und Leistungsportfolios.

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