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ERPHandel & E-Commerce

Online-Marktplätze in SAP integrieren: Was steckt hinter FIS/TradeFlex?

,Lesezeit ca. 10 Minuten

Weltweit existieren derzeit mehr als 900 Online-Marktplätze inklusive Länder- und Domainvarianten.1 Für Händler liegen die Gründe für ihre Aktivität auf den Marktplätzen besonders in den Potenzialen zur Umsatzsteigerung und Neukundengewinnung sowie in der Bekanntheit der Marktplätze und der Erschließung neuer Märkte.2

Doch wie gelingt eine erfolgreiche Einbindung des Kanals in die E-Commerce-Strategie und Systemlandschaft eines Unternehmens? Wie können ein automatisierter Verkaufsprozess und ein reibungsloser Informationsaustausch umgesetzt werden? Welchen Mehrwert bietet eine Anwendung, in der alle Marktplätze zentral verwaltet werden? Und welchen Beitrag leisten dabei die SCP und SAP CPI?

 

Im Gespräch mit Tobias Stelzer (Consultant SAP Development) und Philipp Kirchner (Consultant Business Integration) aus dem FIS/TradeFlex-Entwicklerteam, konnte ich interessante Einblicke in das Thema Marktplatzanbindung gewinnen und habe detaillierte Antworten auf meine Fragen erhalten.

Melanie Pfister: Hallo Tobias, hallo Philipp. Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, unseren Lesern mehr zum Thema "Online-Marktplätze integrieren" zu erklären. Zuerst eine grundlegende Frage: Was sind die größten Herausforderungen bei der Anbindung von Online-Marktplätzen?

 

Tobias Stelzer: Oft ist der erste Schritt der schwierigste. Denn jeder Online-Marktplatz hat seine eigenen Anforderungen für eine Anbindung und verfügt über verschiedene Schnittstellen. Man kann also kaum Lerneffekte erzielen und muss sich alle Schnittstellen ansehen und entsprechendes Know-how dazu aneignen, um die gewünschten Marktplätze anzubinden. Dabei werden viele Kapazitäten im Unternehmen gebunden.

 

Zudem stellen eine durchgängige Automatisierung der Prozesse sowie die Integration aller beteiligten Systeme eine große Herausforderung dar. Denn wer Marktplätze anbindet, möchte auch, dass die Prozesse durchgängig, schnell und fehlerfrei ablaufen. Doch dies ist besonders im SAP-Umfeld, welches durch die unterschiedlichen Ausprägungsmöglichkeiten immer anders eingerichtet ist, nicht so einfach umzusetzen.

 

Eine fehlende Automatisierung und Systemintegration führen im Verkaufsprozess zu hohem manuellem Aufwand. Dies beginnt schon beim Listen der Produkte, insbesondere wenn eine große Anzahl an Produkten oder viele Varianten auf verschiedenen Marktplätzen verkauft werden. Hier ist das Mapping der Attribute und Kategorien sehr aufwändig. Denn hier verfährt jeder Marktplatz nach verschiedenen Regeln. Aber auch weitere Prozesse, wie die Order-to-Cash-Abwicklung oder die Bearbeitung einer Stornierung, bringen viele Anforderungen mit sich, die bei der Anbindung und Automatisierung berücksichtigt werden müssen.

Melanie Pfister: Unternehmen benötigen also Unterstützung bei der Automatisierung der Prozesse, aber auch um den Kanal in ihre Systemlandschaft zu integrieren. Warum eignet sich FIS/TradeFlex dafür und was ist das Besondere an der Anwendung?

 

Tobias Stelzer: Bei FIS/TradeFlex handelt es sich um eine Middleware, mit der beliebig viele Online-Marktplätze angebunden und zentral verwaltet werden können. Da es sich um eine standardisierte Anwendung handelt, stellen wir die notwendigen Prozesse vorgefertigt zur Verfügung. Es müssen somit keine Eigenentwicklungen im SAP-System durchgeführt werden. Dabei deckt unsere Anwendung nicht nur das Listen der Produkte und die Auftragsabwicklung ab, sondern auch den kompletten Zahlungsprozess sowie Stornierungen und die Rückerstattung bei Retouren oder Gutschriften. Das bringt einige Vorteile auf der Anwenderseite mit sich:

 

Beim Listen der Produkte müssen Attribute und Kategorien im Normalfall für jeden einzelnen Marktplatz gematcht werden. Das bedeutet: Was zum Beispiel die Farbe "grün" bei einem Marktplatz ist, ist beim nächsten "hellgrün", "mittelgrün", "dunkelgrün" und bei anderen wiederum verschieden. Das Listen der Produkte und Varianten erfordert dadurch sehr viel manuellen Aufwand. Mit einer Middleware, wie FIS/TradeFlex, wird dieser Aufwand auf ein Minimum reduziert. Der Verkäufer muss seine Kategorien und Attribute nur einmalig auf die in FIS/TradeFlex definierten matchen. Das aufwändige Matching zu den gewünschten Marktplätzen wird dann automatisiert übernommen.

 

Interessant ist auch die automatisierte Auftragsanlage im SAP. Bei der Auslösung einer Bestellung auf einem Marktplatz wird automatisch ein Auftrag im SAP-System angelegt. Dies wird durch das Jobhandling in FIS/TradeFlex gesteuert. Bei der Auftragsanlage können wir zudem sehr flexibel auf die Wünsche der FIS/TradeFlex-Anwender eingehen und beispielsweise auch kundenspezifische Felder im Auftrag befüllen lassen.

 

Auch die Zahlungsabwicklung war für uns von zentraler Bedeutung. Die Abrechnungsinformationen werden von den Marktplatzbetreibern über die unterschiedlichsten technischen Lösungen (über API, per Download auf der Plattform oder via Mail) an den Verkäufer übergeben. Hier war unsere Zielsetzung, einen automatischen Ausgleich der Fakturen in der Buchhaltung zu erreichen, da dies je nach Detailierungsgrad der Information häufig ein zeitaufwändiges Unterfangen ist. Bei einigen Marktplätzen müssen hier die Gebühren berücksichtigt und gebucht werden.

Melanie Pfister: Das sind Funktionen, die einen echten Mehrwert im Marktplatzgeschäft bieten. Warum sollten Unternehmen außerdem auf FIS/TradeFlex setzen?

 

Philipp Kirchner: Da unsere Kunden die Marktplatzanbindung nicht in Eigenregie umsetzen müssen, können sie den Verkauf auf den Marktplätzen schnell starten und beliebig viele Marktplätze anbinden. Unternehmen erzeugen somit mehr Geschwindigkeit und Skalierbarkeit für ihr Marktplatzgeschäft. Denn normalerweise muss jeder Online-Marktplatz einzeln angebunden werden, wodurch Entwicklungskosten, aber auch der Aufwand für den Wissensaufbau pro Marktplatz anfallen. Mit FIS/TradeFlex kann der Fokus auf andere wichtige Dinge, wie die strategische Ausrichtung des Marktplatzgeschäfts oder das Monitoring, gelegt werden. Dazu werden alle benötigten Informationen übersichtlich als Dashboards zur Verfügung gestellt.

 

Natürlich steht bei FIS die SAP-Integration an erster Stelle. Wir stellen eine tiefe End-to-End-Prozessintegration her, sodass alle Marktplatz-Aktivitäten direkt ins SAP-System gespiegelt werden. Durch die wechselseitige Kommunikation sind die Informationen sowohl auf den Marktplätzen als auch im SAP-System jederzeit auf dem aktuellen Stand. Und das ist im heutigen Online-Handel besonders wichtig. Denn Käufer auf den Marktplätzen erwarten stets aktuelle Informationen zu verfügbaren Mengen, Preisen und Lieferzeiten. Zudem erspart eine lückenlose Einbindung der Prozesse in das SAP-System, beispielsweise im Order-to-Cash-Prozess, sehr viel Zeit und manuellen Aufwand, da viele Abläufe automatisiert werden können. Über unser Customizing sind die Anwender sehr flexibel. So kann zum Beispiel bei der Auftragsanlage im SAP die Struktur des Auftrags und die Befüllung der Felder vorgegeben werden.

Melanie Pfister: FIS/TradeFlex wurde auf Basis der SAP Cloud Platform (SCP) entwickelt. Welche Vorteile bietet das?

 

Philipp Kirchner: Die SCP bietet eine sichere, leistungsfähige und skalierbare Basis für Entwicklungen, die den SAP-Standard ergänzen oder erweitern. Anwendungen, die auf der SCP entwickelt wurden, sind über den Browser abrufbar und ermöglichen somit einen ortsunabhängigen und mobilen Zugriff. Da die Leistungsfähigkeit der Plattform skalierbar ist, ist die Stabilität von SCP-Anwendungen stets gewährleistet. Die Cloud bietet außerdem den Vorteil, dass der Kunde bei Updates keinen Aufwand hat, weil FIS die notwendigen Schritte umsetzt.

 

Außerdem sind SCP-Entwicklungen SAPUI5-fähig. Die Fiori-Apps haben eine hohe Nutzerfreundlichkeit und sind den meisten SAP-Anwendern bereits bekannt, was die User Experience nochmals verbessert. Wir stellen Fiori-Apps zur Darstellung verschiedener Übersichten bereit, wie zum Beispiel um Aufträge/Angebote anzusehen, Angebote für Produkte einzustellen, für die Verwaltung, für das Customizing, aber auch für die Zuordnung der Attribute und Kategorien. Durch die Integration der Apps in FIS/TradeFlex, kann der Kunde alle Marktplätze zentral verwalten und muss sich nicht in verschiedene Verkäuferportale einloggen oder manuelle Jobs starten.

Melanie Pfister: Ihr nutzt zudem die SAP Cloud Platform Integration (CPI). Was sind die Besonderheiten?

 

Philipp Kirchner: Bei der CPI handelt es sich um eine Integrationsplattform, auf der standardisierte Prozesse bereitgestellt werden können. Die Plattform ermöglicht umfassende Integrationen sowohl von Cloud- als auch On-Premise-Anwendungen und eignet sich damit sehr gut als Integrationsplattform für unsere Anwendung. In unserem Fall gelangen die Unternehmensdaten, zum Beispiel aus dem SAP ERP-System, über die CPI in FIS/TradeFlex und anschließend zu den Marktplätzen. Marktplatz-Daten werden über die CPI an die Middleware und schließlich die Unternehmensanwendungen übertragen.

 

Mithilfe der CPI haben wir die Schnittstellen der Marktplätze in Richtung FIS/TradeFlex vereinheitlicht. So können wir aus unserem Service immer einheitliche Strukturen senden. Dies bietet für uns in der Entwicklung viele Vorteile. Denn ohne die CPI müssten wir in FIS/TradeFlex alle Strukturen der Marktplätze detailliert kennen, um die Daten korrekt übertragen zu können. Ebenso verarbeitet die CPI marktplatzabhängige Logiken, die es uns ermöglichen, in der Entwicklung marktplatzunabhängig zu agieren. Das bietet die optimale Basis für einheitliche und marktplatzübergreifende Prozesse, von denen unsere FIS/TradeFlex-Kunden profitieren. Diese standardisierten Prozesse, die über die CPI realisiert werden, stehen allen Kunden zur Verfügung. Das bedeutet: Ist ein Marktplatz in unserem Portfolio enthalten, sprich haben wir die Anbindung schon einmal durchgeführt, können alle FIS/TradeFlex-Anwender diese Anbindung ebenfalls nutzen. So können neue Marktplätze sehr schnell angebunden werden, ohne dass der Kunde eigens Schnittstellen entwickeln oder ausführlich testen muss.

Abschließend noch eine Frage, die mich als Marketer natürlich sehr interessiert, aber auch für das Produktmanagement im E-Commerce wichtig ist: Wie findet die Verknüpfung von Marketingdaten und Produktstammdaten statt?

 

Tobias Stelzer: Die Produktinformationen, die beim Listen der Produkte auf den verschiedenen Marktplätzen benötigt werden, sind meist in verschiedenen Systemen gespeichert. Manche Unternehmen setzen ein CMS- oder PIM-System ein, andere verwalten die Informationen manuell in Excel-Listen. Häufig sind auch Daten im SAP-System gespeichert. Die Daten aus den verschiedenen Systemen werden gesammelt über einen Masterfeed in FIS/TradeFlex geladen und dann passend auf den Marktplätzen ausgespielt. Die restlichen Informationen werden in FIS/TradeFlex hinterlegt. Der Kunde muss also nur einmalig die Daten sammeln, bereinigen und uploaden – den Rest übernimmt die Anwendung. Bei Daten aus dem SAP-System entfällt zudem der Upload. Diese werden automatisiert übernommen, verarbeitet und auf den Marktplätzen ausgespielt. Preise und Mengen können für jeden Marktplatz einzeln eingestellt werden, denn die Angebote sind stets marktplatzabhängig. Dazu können Preise über den Preisfeed hochgeladen, aber auch manuell festgelegt werden. Für die Angebotsmengen werden die ATP-Mengen aus dem SAP berücksichtigt.

 

 

Vielen Dank für die interessanten Einblicke! Wer mehr zum Thema erfahren möchte, findet hier weitere Informationen.


1 Die Marktplatzwelt 2020, Ecom

2 Der Deutsche Einzelhandel 2020, ibi research

Melanie Pfister

Im strategischen Produktmarketing begegnen uns immer neue Fragestellungen zu aktuellen Themen aus dem Marketing und der IT-Welt. Diese greife ich in meinen Artikeln auf und lege den Fokus auf Entwicklungen im Marketing, betriebswirtschaftliche Themen und Trends im Rahmen der digitalen Transformation. Dabei ist es mir besonders wichtig, die Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um Potentiale und Herausforderungen für Unternehmen aufzeigen zu können.

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