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Testautomatisierung für SAP HCM

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Die Änderungsfrequenz im SAP HCM ist hoch und Personalabteilungen können oft keine oder nur sehr beschränkte Testkapazitäten zur Verfügung stellen. Daher wäre es hilfreich, wenn Testszenarien in SAP HCM einfach per Knopfdruck ausgeführt werden könnten.

Von Martin Bugner, HCM-Experte bei FIS, wollte ich wissen, wo die Herausforderungen bei SAP HCM Tests liegen, wie ein professionelles Testmanagement aussehen kann, wie man Testprozesse automatisieren kann und was Anwenderunternehmen berichten, die SAP HCM-Tests bereits automatisiert haben.

 

 

Wo liegen die Herausforderungen bei SAP HCM Tests?

 

Martin Bugner: Die größte Herausforderung bei SAP HCM-Tests ergibt sich aus der Beteiligung verschiedenster Personengruppen an den Tests. Es sind in der Regel Mitarbeiter aus der IT-Abteilung, der Fachabteilung HR sowie interne oder häufig auch externe Berater und Entwickler gleichermaßen beteiligt. Gemeinsam müssen sie iterativ und koordiniert Daten pflegen, customizen, Entwickeln sowie Testen und etwaige Fehler korrigieren.

 

Oft spielt der zeitliche Aspekt eine entscheidende Rolle bei HCM-Tests, denn nicht immer handelt es sich dabei um planbare Aktivitäten. Oftmals treten spontane Fehler auf, die identifiziert werden müssen und ein zeitnahes Testen erfordern. Darüber hinaus gibt es einige technische Herausforderungen, die beim Testen in SAP HCM bewältigt werden müssen. Dazu gehört zum Beispiel der Transfer aktueller Daten aus dem Produktivsystem in die vorgelagerten Systeme, um valide Testergebnisse erzielen zu können.

Auch in anderen Fachabteilungen muss getestet werden – wo liegen die Besonderheiten im SAP HCM?

 

Personalabteilungen arbeiten mit höchst sensiblen und schützenswerten Mitarbeiterdaten. Die Personalarbeit in Unternehmen hat zudem in den letzten Jahren erheblich an Umfang und Komplexität gewonnen: Die hohe Änderungsfrequenz steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Rahmenbedingungen, aber auch betriebsinterne sowie branchenspezifische Anpassungen, führen zu häufigen und kurzfristigen Anpassungen im Customizing.

 

Diese internen und externen Vorgaben müssen zeitnah im SAP HCM implementiert werden, was den Druck im SAP HCM-Umfeld zusätzlich erhöht. Der kontinuierliche Änderungsdruck führt in der IT-Abteilung zu großem Implementierungsaufwand und erfordert in der Personalabteilung zeitaufwändige fachliche Tests. Das Testen ist aber unumgänglich, um unternehmensweit fehlerfreie mitarbeiterbezogene Prozesse zu gewährleisten.

Wie kann man sein Testmanagement für SAP HCM professionalisieren?

 

Die Praxis zeigt, dass das Gros der Personalverantwortlichen bereits sehr professionell unterwegs ist. Aber natürlich gibt es auch hier Verbesserungs- oder Einsparungspotenziale. Meist ist es empfehlenswert, bei den technischen Aspekten anzusetzen.

 

Um beispielsweise eine hohe Testdatenqualität sicherzustellen, ist es wichtig, dass die Daten aus dem Produktivsystem zeitnah, korrekt und weitestgehend automatisiert zur Verfügung stehen. Über ein smartes Werkzeug kann die HR-Fachabteilung geeignete Testdaten aus dem Produktivsystem kopieren und Vergleichsszenarien aufbauen, ohne dabei auf die Kollegen aus der IT angewiesen zu sein.

 

Dabei ist es besonders wichtig, dass die Testdaten konsistent zu den Originaldaten sind und trotzdem datenschutzkonform anonymisiert werden können. Denn nicht erst seit der EU-DSGVO existieren strenge Bestimmungen zur Datensperrung und -löschung.

Welche HCM Testprozesse lassen sich automatisieren?

 

Es gilt grundsätzlich zwischen Einzel- und Massentests zu unterscheiden. Einzeltests sind meist sehr individuell und lassen sich nur teilweise automatisieren. Trotzdem kann man auch hier den Prozess vereinfachen, indem den Mitarbeitern beispielsweise regelmäßig aktualisierte Daten in einer Art Arbeitsvorrat zur Verfügung gestellt werden.

 

Massentests eignen sich hingegen sehr gut für eine Automatisierung, wie zum Beispiel beim Einspielen von Support-Packages. Ist der Termin bekannt, wird ein Job eingeplant, der das Qualitätssicherungs- und Entwicklungssystem rechtzeitig mit aktuellen Daten versorgt.

 

Werkzeugbasiert wird anschließend eine Vergleichsbasis geschaffen, mit der nach dem Einspielen der Support-Packages neu abgerechnet und verglichen wird. Durch die automatisierte Verarbeitung und Prüfung müssen die zuständigen Mitarbeiter nur noch in den Fällen tätig werden, in denen sich Deltas in den Testfällen ergeben haben.

… und wo gibt es Grenzen?

 

Automatisierung erweist sich als sinnvoll, wenn es um große Datenmengen geht und regelmäßiges Testen erforderlich ist. Nicht jeder Prozess lässt sich automatisieren, wie beispielsweise individuelle Prozesse, und nicht überall ist es sinnvoll.

 

Ich empfehle komplexe Abfolgen in kleine Abschnitte aufzubrechen, sodass es möglich ist, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Somit kann man schnell und einfach einsteigen und den Gesamtprozess kontinuierlich verbessern. Wichtig ist, dass eine gewisse Überschaubarkeit und Einfachheit nicht verloren geht.

Wie ist die Situation, wenn man SuccessFactors einsetzt?

 

Das kommt ganz darauf an, welches Integrations-Szenario das jeweilige Unternehmen umsetzt. Viele Unternehmen, die SuccessFactors einsetzen, wählen den hybriden Ansatz. Also eine Kombination bei der die Core-Prozesse, wie Abrechnung und Zeitwirtschaft, im bewährten SAP HCM gehalten werden und andere Funktionen, wie beispielsweise das Recruiting, in der Cloud abgebildet werden.

 

Unabhängig davon, in welchem Szenario SuccessFactors eingesetzt wird, ist es wichtig, dass die HR-Kernfunktionen jederzeit problemlos und fehlerfrei ablaufen. Die Komplexität und der Faktor Zeit erhöhen sich natürlich, je mehr Systeme beteiligt sind. Umso wichtiger ist es, dass gerade diese Prozesse strukturiert und optimiert werden, um bestmöglich getestet werden zu können.

Was berichten Personal- und IT-Verantwortliche, die ihre SAP HCM-Tests bereits automatisiert haben?

 

In vielen Unternehmen ist das Testen ein unbeliebtes Thema. Es ist zeitaufwändig, nervenaufreibend und stört die täglichen Abläufe enorm. Mit automatisierten Testprozessen testen Anwender sinnvoll, strukturiert und automatisiert.

 

Werden Tests so aufbereitet, dass nur die fehlerbehafteten Fälle angezeigt werden, befreien wir Anwender von zeitraubenden Routinetätigkeiten. Nach einer Korrektur lässt sich auf Knopfdruck feststellen, ob der Fehler korrigiert wurde. So ergeben sich erhebliche Zeitvorteile und die Zusammenarbeit aller Beteiligten läuft koordiniert und reibungslos ab.

 

Testen muss nicht kompliziert und zeitaufwändig sein – deswegen mein Appell: Machen Sie die Pflicht zur Kür!

Dieser Beitrag erschien zuerst im IT-Onlinemagazin.

Helge Sanden

Helge Sanden ist Chefredakteur des IT-Onlinemagazins, das multimedial mit Praxisberichten, Artikeln, Analysen und Interviews über IT-Projekte, Trends und neue Entwicklungen informiert, um zielgerichtet Impulse für das eigene Handeln zu geben.

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