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SAP C/4HANA-Cockpit – Mehrere Clouds, ein Zugang

,Lesezeit ca. 6 Minuten

Beim Begriff "Cockpit" ergeht es Ihnen möglicherweise wie mir und dem einen oder anderen mag durchaus ebenfalls als erster Gedanke ein Flugzeug in den Sinn kommen. Cockpit – die Schaltzentrale, wo alles zusammenläuft, wo der Flugkapitän die Steuerungselemente bedient und die Verantwortung dafür trägt, dass alle Systeme zur richtigen Zeit die richtigen Funktionen übernehmen.

Aus dieser Sicht hat das noch recht junge, seit 2019 existierende und stetig um neue Funktionen erweiterte SAP C/4HANA-Cockpit seinen Namen durchaus verdient.

 

Denn bei SAP ist ebendieses Cockpit Ihr zentraler Einstieg in die C/4HANA-Welt: Alle Clouds auf einen Blick, der Absprung in die jeweilige Lösung mit einem Klick. Und zwar egal, ob SAP Customer Data Cloud, SAP Marketing Cloud, SAP Sales Cloud, SAP Service Cloud oder SAP Commerce Cloud.

 

Das Ziel dahinter: Zeitersparnis, zentrale Verwaltungsmöglichkeiten und das Schaffen der Wahrnehmung von C/4HANA als eine Cloud.

 

Zusammen mit der SAP Cloud Platform Extension Factory (SCP XF) bildet das Cockpit die sogenannte SAP C/4HANA Foundation.

 

Selbstverständlich ist jedes C/4-Produkt trotz der vielfältigen nahtlosen Integrationen untereinander eigenständig für sich zu sehen und die Konfigurationen sind im Detail in den einzelnen Lösungen zu tätigen. Dennoch bietet das C/4HANA-Cockpit den Dreh- und Angelpunkt für Administratoren (und Entwickler oder gegebenenfalls unterstützende Partner, die Side-by-Side-Extensions entwickeln), um die Lösungen zu verwalten.

 

Für Kunden dürften sich zunächst folgende Fragen ergeben, die ich im kommenden Abschnitt gerne erläutern möchte:

 

  • Wie erlange ich Zugang zu meinem Cockpit?
  • Aus welchen Elementen besteht es und was kann ich dort tun?

Initialer Zugang

Sobald ein Kunde eines der dafür berechtigten C/4HANA-Produkte erwirbt, wird der Mitarbeiter des Unternehmens (der im Kaufvertrag als "IT Contact" eingetragen wurde) neben einigen weiteren System-Mails eine Willkommens-E-Mail von SAP erhalten, über die er zum Cockpit gelangen kann.

 

Außerdem gelangen Sie dorthin jederzeit auch manuell.

 

Hierbei gibt es jedoch möglicherweise das Problem, dass dieser IT Contact anfänglich nicht die entsprechende Berechtigung besitzt, um sich dort einzuloggen. Das klingt etwas unlogisch, ist aber tatsächlich von SAP genau so gewollt. Der initiale Zugang kann nur durch einen Benutzer mit der "Super-Administrator"-Rolle im Unternehmen erfolgen. Um diesen herauszufinden, loggen Sie sich mit Ihrem S-User einfach im SAP ONE Support Launchpad ein und finden Sie über "My Important Contacts" den entsprechenden Mitarbeiter mit den benötigten Berechtigungen.

 

Nach dem erstmaligen Login des Super-Admins kann dieser weitere Administratoren über die Angabe der E-Mail, der S-(beziehungsweise P-)User-ID und der gewünschten Rolle(n) im Cockpit anlegen. Alle User des Cockpits müssen jedoch beim "SAP ID Service" registriert sein.

 

Bereits auf der Startseite ist direkt sichtbar, welche Clouds aktuell im Einsatz sind. Potenziell verfügbare, aber bisher nicht erworbene Cloud-Lösungen werden verblasst angezeigt.

Bestandteile

Woraus besteht nun das C/4HANA-Cockpit im Einzelnen?

 

Nach dem Login befindet sich die Navigationsleiste auf der linken Seite. Den ersten Abschnitt bilden die Nutzungsrechte: Das Drop-down-Menü zeigt im Überblick, welche Lösungen der CX-Suite das Unternehmen im Einsatz hat. Nachdem eines der Produkte ausgewählt wurde, werden für dieses eine Vielzahl an Informationen angezeigt. Es finden sich hier:

 

  • Systemnummer (eindeutige Kennung des Systems bei SAP)
  • Rolle (zum Beispiel Test oder Produktiv)
  • Status (Offen, Provisioning, Fehlgeschlagen, Aktiv)
  • Systemname (Beschreibung des Systems)
  • System-ID (Unternehmensinterne eindeutige ID)
  • Anbieter (Provider der Cloud Platform des Systems, zum Beispiel SAP)
  • Standort (Standort des Data Centers)
  • Lizenzinformationen (Gültigkeitszeitraum der Lizenz und erworbene Lizenzen, zum Beispiel User für Sales Cloud)
  • Aktionen: Provision (aktuell nur für SAP Commerce Cloud), URL (Absprung in das entsprechende System), URL kopieren

 

Bereits jetzt besteht die Möglichkeit, für die SAP Commerce Cloud ein System im Self-Service bereitzustellen (zum Beispiel Beantragung des Testsystems, sobald das Entwicklungssystem dafür bereit ist). Hierzu dient die oben genannte Aktion mit der Bezeichnung Provision. Die gleiche Funktionalität soll nach und nach für weitere Produkte folgen.

 

An zweiter Stelle finden Sie den Punkt Sicherheit. Hier können Berechtigungen für die einzelnen Benutzer vergeben werden. Es existieren die Rollen Administrator und Entwickler. Ein User kann eine oder beide Rollen besitzen.

 

Administratoren sind zum Beispiel für die User-Verwaltung und für die Überwachung der einzelnen Systeme zuständig, während Entwickler Zugang zum Menüpunkt Erweiterungen haben, um die C/4-Produkte mit neuen Funktionalitäten anzureichern.

 

Daneben existieren sogenannte Audit-Protokolle (Logs), über die man sich Personendaten- und Konfigurationsänderungen anzeigen lassen kann. Nach 201 Tagen wird eine erstellte Log-Datei gelöscht.

 

Den letzten Bestandteil bilden die gerade erwähnten Erweiterungen. Dadurch lassen sich die Funktionalitäten der C/4-Produkte mithilfe der Extension Factory erweitern. Um eine Laufzeit (Kubernetes Cluster mit der Möglichkeit verschiedener Kyma-Versionen) im C/4HANA-Cockpit anzulegen, muss zunächst eine Verbindung mit einem der möglichen Cloud-Anbieter erfolgen. Hierfür stehen aktuell Microsoft Azure und die Google Cloud Platform mit dem Bring Your Own License (BYOL) Modell zur Verfügung.

 

Danach kann eine sichere Verbindung zwischen der Laufzeit und dem entsprechenden C/4-System aufgebaut werden. All diese organisatorischen Aufgaben können vom Administrator durchgeführt werden, sodass die Entwickler sich auf ihre eigentliche Tätigkeit konzentrieren können, ohne sich damit auseinandersetzen zu müssen.

 

So lassen sich innerhalb weniger Minuten Systeme wie die SAP Sales Cloud mit der Extension Factory verbinden und nutzen. Einfaches Beispiel: Event-Benachrichtigungen in einem Dritt-System bei Anlage eines neuen Kunden oder Service-Tickets.

 

Vorteil dieser Entkoppelung von Erweiterungen ist, dass im Falle eines Problems der Erweiterung die allgemeine Systemstabilität nicht gefährdet wird. Schlimmstenfalls würde eine Zusatz-Funktionalität zeitweise nicht zur Verfügung stehen.

Neuerungen

Mittlerweile gibt es bereits erste Partner-Apps (ebenfalls zu finden unter dem Punkt "Erweiterungen"), die zur Verfügung stehen und deren Link Sie direkt in das SAP App Center führt.

 

Neu in 2020 ist die interaktive In-App-Hilfe, die sich über ein kleines Fragezeichen-Symbol in der rechten oberen Ecke öffnen lässt. Sie ist eingebettet in das UI und hilft dem Benutzer dabei, die neuesten Funktionen zu entdecken und bietet Tipps, Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Unterstützung.

 

Mit der stetigen Weiterentwicklung durch SAP sollen zeitnah weitere neue Funktionalitäten zur Verfügung stehen. Im Gespräch ist zum Beispiel ein einheitliches Identity und Access Management, dass die User-Verwaltung deutlich erleichtern könnte.

 

Steigen Sie ein in Ihr eigenes C/4HANA-Cockpit und werden Sie selbst zum Piloten!

Tobias Schneider

Als Berater bei FIS im C/4HANA Bereich liegt mein Fokus auf der SAP Marketing Cloud. Neben den standardisierten Integrationen in die anderen C/4-Lösungen ergeben sich durch das Design des Produkts viele Schnittstellen sowohl zu anderen SAP- als auch zu Drittanbieter-Lösungen. Daher gilt es – neben dem Produkt selbst – insbesondere in diesem vielseitigen Bereich ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Meine Erfahrungen versuche ich, in meinen Beiträgen rund um das Thema Customer Experience einfließen zu lassen.

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